10. Juni 2017

Neue Arbeiten an San Lorenzo

Campo und Kirche San Lorenze Mitte Mai 2017

Gute Nachricht aus der Abteilung Kirchenrestauration:
an San Lorenzo wird wieder gearbeitet!


Die Information in meinem Eintrag vom Dezember 2012, dass Mexico sich mit einem 9jährigen Vertrag zur Restaurierung und gleichzeitigen Nutzung als Ausstellungsraum für Kunst- und Architekturbiennalen verpflichtet hat, war leider schnell überholt.
2013 bespielte Mexico die vordere Hälfte von San Lorenzo zum letzten Mal mit der wunderbaren digitalen Toninstallation "Cordiox" von Ariel Guzik. (Die Arbeit vieler Menschen während vieler Tage - theoretisch zählbar an der wandernden Sonne im Raum - kann man auf diesem Vimeo bewundern. Allerdings geht es dabei um den Aufbau der gesamten Ausstellungsinstallation, was eine interessante Sache ist, aber leider gehört das Tonerlebnis nicht dazu.)
Seit 2014 gibt es einen festen mexikanischen Ausstellungsraum im Arsenale. Einen Kommentar zu diesem Vorgang habe ich nicht gefunden. Aber im September 2015 eine Notiz im Gazzettino, dass die Stiftung Thyssen Bornemisza in Person von Francesca Habsburg einen Vertrag mit der Stadt Venedig verhandele. Also eine weitere Kunststiftung mit festem Sitz in Venedig. Die Kirche wird der Stiftung für 9 Jahre überlassen, Gegenleistung ist die Restaurierung (1.200000 €) bzw. Konvertierung zur Nutzung für Kulturveranstaltungen (Ausstellungen, Konzerte etc.).



Fast 2 Jahre lang habe ich die Sache mit Kontrollwanderungen nach San Lorenzo im Auge behalten, erfolglos, wie auch parallele Medienbeobachtung online (wie immer mit dämlichen Fehlern wie z. B. 'San-Lorenzo-Palast' oder falschen Fotos), siehe einige Beispiele:

Il Gazzettino 9.9.2015 L'ex chiesa di San Lorenza andra alla prestigiosa Thyssen Bornemisza, la Fondazione 
Handelsblatt 11.11.15 Francesca Habsburg nach Zürich oder Venedig?
Die Presse 12.12.15 Francesca Habsburgs Tauchgänge 
Artnet 1.4.16 Mega Collector to Inaugurate 'Oceans' Pavilion' in Venice 
Artribune 3.4.16 Un nuovo padiglione alla Biennale Arte die Venezia di 2017 
Die Zeit 3.10.16 Mit Kunst die Meere retten
La Nuova 24.1.17 La Thyssen nell' ex chiesa di San Lorenzo 
FADmagazine 8.5.17 Francesca con Habsburg's TBA21 to launch new art space at the 16th century Church of the San Lorenzo Venice

Aber jetzt im Mai war das Baugerüst an San Lorenzo schon von weitem zu sehen, genauer vom Vaporetto auf dem Canale delle fondamente nove. Diesmal war die Kontrollwanderung erfolgreich, siehe Fotos. Ein Gerüst mit Aufzug und allem Zip und Zap sowie erheblichem Männergeschrei und weiterem Baustellenlärm, der so dazu gehört. 
Allerdings habe ich keine Informationen, wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden und das Gebäude eröffnet wird. Im Bericht des Gazzettino vom 9.9.15 ist die Rede von einigen Jahren Restaurierungsdauer.

Egal. Lasst die Vorfreude ein paar Jährchen dauern und uns dann vom Ergebnis überraschen, und auch von der Kunst der Umweltprojekte, die Frau Habsburg uns dann zeigen wird.





Siehe auch den nächsten Eintrag zum Thema vom 11.11.2017: Neues von San Lorenzo.



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7. Juni 2017

...nach der Biennale selbst kreativ...!


Eine der Freuden der Bloggerei besteht in Begegnungen mit Menschen, die auf die Bloggerei antworten. Online und, gar nicht so selten, auch offline, persönlich.

Während der letzten Kunstbiennale hatte ich auf diesem Wege das Vergnügen, den Palazzo Barbaro mit dem Hamburger Künstler Detlef Lemme zu besuchen. 
Gestern kam ein Mail von ihm mit der Einladung zum gemeinsamen Aquarellieren Mitte Juni. Als offener Versuch und Experiment, vielleicht auch einen Kurs öfter anzubieten. Eine wunderbare Idee, ich liebe solche entspannten Lernerfahrungen und wäre sehr gerne dabei gewesen. Bin aber nicht in Venedig. Ich möchte das Angebot deshalb weiterreichen. 


Aquarellkurs: Turn around Turner

Ein Hamburger Künstler und Venedigappassionato bietet während seines Biennalebesuchs (15.-17.6.) die Möglichkeit, mit ihm zusammen abends nach der Biennale in den Gassen und auf den Plätzen Venedigs zu aquarellieren. Werkzeug und Papier teils vorhanden, oder mitbringen.
Die Teilnahme ist kostenlos.
Erster Treffpunkt am 15.06.2017 um 19 Uhr vor dem Museo Storico Navale.
Anmeldung nicht erforderlich, einfach kommen!


Gutes Gelingen und viel Spaß allerseits wünsche ich...! 


Ergänzung 28.6.

Gestern ein Mail von Detlef Lemme, den ich um ein Foto der Aquarellgruppe gebeten hatte:

"Liebe Brigitte,
die Aquarellgruppe fand statt, wenn auch nur in kleiner Besetzung: meine Frau und ich ;-) siehe Bild-Anhang, Veröffentlichung erlaubt. Aber ich werde das auf jeden Fall wiederholen." ...





Na gut. Das Vegnügen verpasse ich beim nächstenmal hoffentlich nicht, dann also 3 (oder mehr!).


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4. Juni 2017

Alexander Kluge wieder in Venedig


Zum Glück. Und diesmal im Rahmen, der ihm und seinem Werk gebührt. 2015 hatte Okwui Enwezor ihm in der zentralen Ausstellung "All the World's Futures" einen Raum und drei Projektswände eingerichtet, leider mit zu viel Durchgangsverkehr und ungenießbarer Akustik. Ewig schade.





Nun sind die Funde und Werke des 'Archäologen' Kluge auf drei Etagen der Ca' Corner della Regina (im Besitz der Fonazione Prada) zu bewundern. Präsentiert in den Bühnenbildern und Szenerien von Anna Viebrock, begleitet von großformatigen Fotos von Thomas Demand und kontrastiert von sechs Werken Angelo Morbellis

Darüber wollte ich eigentlich in diesem Eintrag berichten, denn für mich ist dies aus heutiger Sicht die interessanteste Ausstellung des Sommers in Venedig. Dieser Meinung bin aber nicht nur ich, sondern auch Dirk Schümer, von mir hochgeschätzter Autor, Journalist und Podiumsdiskutant. Er kam mir mit seinem Artikel "Wenn Venedig sich mal wieder selbst ausstellt" vom 31.5. zuvor. Ich kanns nicht besser machen, halte also die Klappe, empfehle die Lektüre dieses Textes und, wirklich unbedingt, die Ausstellung zu sehen.


Angelo Morbelli 'Il natale dei rimasti'


Ich hatte die Vorstellung, dass 2 Stunden reichen würden, davon konnte keine Rede sein. Die wilde Mischung aus Barockpalast und Ausstellungsgestaltung, aber vor allem das opulente Angebot von Kino- und Videofilmen ließ mich versinken. Und in Anna Viebrocks Nachbau des Pio Albergo Trivulzio in einer der engen Bänke vor Lachen biegen: Helge Schneider beim G20-Treffen in Elmau per Tablet und Kopfhörer. (Wer hier nicht deutsch spricht und auf die Untertitel angewiesen ist, verpasst was...!) 
Auf insgesamt 16 Tablets kann man weitere Filme/Texte sehen (abgeschrieben aus dem Porgramm, das an Ausstellungsbesucher*innen verteilt wird:
Feuerzeichen über Venedig; Raumeau: Sturmmusik (mit Ausschnitten aus Les Indes galantes); Ich rieche den Sturm; Die Seelenverkehrsampel; Gespräche mit Heiner Müller; Was ist überhaupt eine Stadt?; Sam Remembers Papa Kong; In the Office Tower; Der Gesamtarbeiter von Verdun; Hermetic and Associative Forces; Rückkehr zur unabhängigen Bodenbearbeitung; Was heißt Schiffbruch in der Ökonomie?; Lichtadern; Monteverdis Ambassador in a Turin Factory; Die Bombe als Pflug; Maieutics: The Midwife's Art; Industrial Ruins Left behind by Investors; Adult Education for the Finance Industry; The Veiled Marx; Revolution, Texte und Filme; Feuerlöscher E. A. Winterstein; Das Auge der Libelle; Gespräche mit Thomas Demand, Rachel Kushner und Ben Lerner. 

In dem von Dirk Schümer erwähnten "kuscheligen Kleinkino der 50er Jahre" (das soo kuschelig nicht ist, die Sitzreihen  sind nicht etwa Plüsch, sondern glattes Holz, hörbar runter- und wieder raufklappend) sind in voller Länge zu sehen: Abschied von Gestern (1965/66), Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit (1985), und Lernen und Liebe in einem Meer von Krieg (2016).

Ohne Mühe und weitere Pläne kann man einen ganzen Tag in dieser Ausstellung verbringen und sollte sich entsprechend Zeit nehmen. 



Nachdem ich Herrn Schümer die Kommentierung von The Boat is leaking. The Captain lied. überlassen habe (dessen Titel ein Zitat von Leonard Cohens "Everybody Knows" ist), gebe ich jetzt noch kurz das Wort weiter, auch zum bisher beschwiegenen Thema Damien-Hirst-Ausstellung.  
Die feiert nicht unumstritten an den beiden Pinault-Standorten Dogana und Palazzo Grassi eine Kunstmarktorgie und schlägt Riesenmedienwellen (siehe auch Kulturkalender 1. Halbjahr 2017, Ausstellungen 9.4.). 

In der aktuellen NZZaS spricht Martin Helg mit Beat Wyss unter dem Titel "Ist das Kunst, oder kann das weg?" während eines Gangs durch die Giardini über Kunst und -rezeption, -markt, -biennale, -geschichte und Weiteres. Ein Text, der mir so entspannt und weise daherkommt, dass ich ihn weiter empfehlen möchte.
Herr Wyss nimmt in Bezug auf Herrn Hirst das schöne Schweizer Wort "Seich" in den Mund, was mir gefällt. Denn auch ich mute mir Hirst-Produkte nicht mehr zu, auch nicht um der sogenannten politischen Korrektheit des persönlichen Augenscheins Willen. Ich fahre auch nicht nach Paris ins Disneyland, um sicher zu sein, dass ich das nicht sehen muss und lasse mich ansonsten gerne von den massenhaften Fotos von Hirsts Qualitäten überzeugen. Und falls mich jemand fragt - man kann die kostbare Zeit in Venedig Besserem widmen.

Androne der Ca' Corner della Regina
La diva raffreddata
Hannelore Hoger als erkälteter Star


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2. Juni 2017

Ganzkörperfoto auf Goldgrund?







Kann man haben, in diesem Sommer und Herbst in Venedig. Auch ein luxuriöses Selfy geht oder fotografische Experimente, einschließlich wechselnder Lichtbedingungen, kreativen Leuten fällt hier sicher eine Menge ein.

Goldgrund - Fondo oro - gibt es viel in der Kunst und der reichen Ausgestaltung Venedigs. Wo kann man besser als in S. Marco den Zauber erfahren, den geringstes Licht im Dunkeln auf Goldmosaiksteinchen entwickelt und, durch seine Glasauflage reflektiert, die starren Heiligen scheinbar zum Leben erweckt?
Das war jahrhundertelang die Theatralik byzantinischer Kirchen.

Die riesige Goldfläche, von der ich spreche, bedeckt den "Golden Tower" ein Skulpturenprojekt von James Lee Byars, entwickelt in Berlin in den 70er Jahren. Ich bin nicht die Letzte, die grinst, wenn mal wieder ein Mann - Architekt oder Künstler - ein reißerisches Symbol in ein Stadt- oder Landschaftsbild stellt, und dieses am Campo S. Vio ist wirklich enorm. Es verändert temporär nicht nur den Campo entscheidend, sondern den Gesamteindruck eines Abschnitts des Canal Grande. Das Symbol von Luxus, Macht und Erektion wird nicht nur Biennalebesucher*innen präsentiert, sondern allen Fahrgästen vorbeifahrender Vaporetti wie auch vielen Bewohner*innen oberer Etagen im weiten Umfeld, wer bleibt da unbeeindruckt? Trotzdem darf ich grinsen, denn hier beeindruckt nicht nur ein rein künstlerisches Bedürfnis.

Dennoch: mein persönlich erstes Gold war Blattgold. Ein Freund meines Großvaters war Steinmetz, hauptsächlich von Grabsteinen, und ich Vorschulkind hielt die Luft an, wenn er das kleine aber dicke Buch mit den Goldblättern öffnete, unter ein Blatt blies, das daraufhin zart flatterte, und es mit ruhiger Hand und einem Pinsel in gemeißelte Buchstabenkerben eines Namens setzte. Kein Kleben, kein Drücken, alles ruhig, weich, elegant mit den dicken Steinmetzhänden. Warmer Goldglanz auf Granit oder Marmor! Kostbar! Teuer!
Nie hätte ich von einer derartigen Masse und Fläche von applizierten Goldblättern geträumt. Im Film von designboom kann man (auch) die faszinierende Arbeit des Vergolders Lino Reduzzi beobachten. 


Scoletta dei Battioro e Tiraoro neben S. Stae

Die Bati e Tiraori, Goldschläger von Blattgold und Goldzieher von feinstem Golddraht bis hin zu Goldfäden zur Textiliengestaltung waren wichtige Hand- und Kunsthandwerker in der Republik Venedig, noch heute gibt es Goldschläger in Cannaregio. Die venezianischen Bati e Tiraori, auch die Silberschläger und -zieher (1773 32 Mitglieder, die in 9 Werkstätten arbeiteten) hatten ihre Scuola bzw. ihr Bruderschaftsgebäude neben der Kirche S. Stae. (Es gab auch eine Scuola der Bati e Tiraori Alemanni in S. Francesco della Vigna, 1773 104 Mitglieder aus 34 Werkstätten, unter ihnen übrigens viele Kölner.) 
Das barocke Gebäude in privater Hand ist gut erhalten und sehenswert und steht erfreulicherweise für Veranstaltungen zur Verfügung. Zur Zeit präsentiert sich dort zum ersten Mal Nigeria mit einem beeindruckenden Biennaleauftritt. Nicht alle Räume der Scoletta werden bespielt, die interessante Lösung offener Architektur auf quasi 3 Etagen ist trotzdem sichtbar.

Alle Berichte/Interviews zur Ausstellung Nigerias sind in englischer Sprache und lesenswert, die Ausstellung unbedingt sehenswert, vor allem die Filme (Zeit einplanen!):

Hyperallergic 29.05.
Nigeria's First-Ever Biennale Pavilion Challenges Colonial Narratives
Artsy 24.05.
Despite Obstacles, African Countries shine at the Venice Biennale
The Guardian 18.05.
Nigeria unveils first national pavilion at Venice art exhibition

CNN 12.05.
First Ever Nigerian Pavilian opens at the Venice Biennale
Contemporary and 11.05.
'How about now?'


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Zurück zum metallischen Leuchten und aufgerichteten Symbolen, nun jenseits von Luxus-, Macht- und sonstigen Gelüsten und jenseits des Canal Grande:

Die dunkle Seite des goldenen Strahlens kann man beim Besuch des nationalen Pavillons des Libanon "SamaS, Sonne schwarze Sonne" von Zad Moultaka im Arsenale Nord (also in eintrittsfreien Bereich des Arsenale) erahnen, kaum sehen, inklusive einer wunderbaren musikalischen Erfahrung. Daran wird man nicht vorbeigeschippert, man muss hingehen, und man sollte es  keinesfalls verpassen.
Die Installation in der stockdunklen Tesa 100 besteht aus 32 hochsensiblen Lautsprechern, einem gemischten a capella Chor, einem Mosaik aus Kupfermünzen und einem aufgerichteten Flugzeugmotor. Mehr wird hier nicht berichtet um nichts vorwegzunehmen, technische Details gibt es im Handzettel für Pavillonbesucher*innen.

Ein Link zum mythologischen Hintergrund: Samas, babylonischer Sonnengott.
Ein Link zu einer deutschsprachigen wissenschaftlichen Arbeit von Mathieu Ossendrijver zu Samas, inklusive eines Hymnus, wie er in der Ausstellung zu hören ist.

Die Vorstellung dauert 12 Minuten und läuft als Schleife. Entsprechend sollte man Zeit einplanen. Und sich auf ein einmaliges und überwältigendes Kunsterlebnis einstellen.


SamaS Sonne schwarze Sonne
von Zad Moultaka


Golden Tower: wer nahe ran will steigt  Haltestelle Accademia (Linien 1 und 2).
Pavillon Nigeria: Haltestelle S. Stae (nur Linie 1).
Pavillon Libanon: Haltestelle Bacini Linien 4.1, 4.2, 5.1, 5.2 und mit der kostenlosen Navetta, die zwischen Giardino delle Vergini und Arsenale Nord oder Novissimo (auch für Menschen ohne Biennaleticket) pendelt. Fährt alle 20 Minuten, Fahrplan siehe unten.



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28. Mai 2017

Neues vom Flughafen Marco Polo

Ultrabequem: Laufband vom Flughafen zur Darsena - menschenleer
Seit ein paar Tagen wieder zurück aus Venedig, will ich schnell von der Baustelle Marco Polo berichten, die ja in den letzten Jahren manchen Nerv gekostet hat. Der Umbau bei laufendem Geschäft ist erst zum Teil erledigt, es gibt noch Bauzäune und Unübersichtliches, aber vieles funktioniert gut und nach vorherigem Klagen muss jetzt gepriesen werden.

Dass es keine Endlosschlangen beim Einchecken gab, mag auch an meinem Abreisetermin wenige Tage vor dem Fest der Sensa gelegen haben. Aber die Abfertigung verteilt auf 2 Etagen (Schalter 1-62 auf der 1., 63-99 im Erdgeschoss) entspannt die Sache sehr. Obwohl derzeit eher scharfe Passkontrollen,  auch für Schengen-Reisende, angesagt sind (From the 10th to the 30th of May, Italy reintroduces border controls also for countries belonging to the Schengen area. Thus we remind all the passengers to always fly with a valid ID. Since the border controls could be longer than usual, we suggest you arrive to the airport well in advance and do the online check-in.)  ging die Sache ganz ungewohnt ruckzuck.

In den letzten 2 Jahren hatte ich für die Strecke nach Venedig immer die Busse von ACTV bzw. ATVO genommen, weil mir der an sich ja kurze Weg zur Alilaguna-Anlege über die Baustelle und die Umleitungen über den Parkplatz, mit Gepäck, zu chaotisch waren. 
Die lange angekündigte neue Darsena für Wasserbusse und -taxis wurde Mitte November 2016 in Betrieb genommen. Kürzlich auch endlich das superbequeme neue Laufband von der Flughafenhalle zum Ufer. 10 Minuten auf dem Band stehen, ohne Koffergezerre im Slalom und Gegenverkehr wie bisher. Genial.
Die Ausschilderung ist im Rahmen der Baustelle noch nicht so sinnfällig, und vielleicht war auch deshalb das Laufband quasi menschenleer: man muss vom Gepäckband im Parterre wieder hoch in die 1. Etage, und dann der Ausschilderung "Watertransport" folgen. Auf dem oben verlinkten Flughafenplan ist der Start des Laufbandes leider nicht eingetragen.


Die Laufbandbrücke von außen luxuriös begrünt


Informationen zum Wasser- und sonstigen Transport ab und nach Marco Polo
Aktuelle Fahrpläne ÖPNV + Updates


Ergänzung 17.6.:
Seit dem 15. Juni ist die Gepäckaufbewahrung wieder in Funktion. Wo genau, ist sicher Hinweisschildern zu entnehmen, wenn man diesen Service benötigt.
Heute wurde plangerecht und mit dem üblichen Pomp - Bürgermeister mit Schere, Patriarch mit Segen etc. - als ein Teilabschnitt des Flughafenausbaus der erweiterte Passagierterminal offziell übergeben



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19. Mai 2017

2 x hyperrealistische Skulpturen...


...sind zu bewundern in der Vielzahl der Nebenausstellungen in der Stadt. 

Die Sonnenseite, buchstäblich, zeigt Carol Feuerman in den Giardini della Marinaressa, linke Seite vom Wasser aus gesehen. Einzelne Werke Carol Feuermans waren schon auf vorherigen Biennalen zu sehen, immer diese appetitlichen nassen Badenanzugfrauen mit höchstem Wiedererkennungswert. Deren Anblick sofort gute Laune auslöst sowie technische Überlegungen zur Herstellungsweise derart überzeugender Hyperrealität. Bei mir jedenfalls. Der kleine Park wird normalerweise kaum wahrgenommen trotz seiner angenehmen Bänke unter Pinien mit Blick auf das Becken von S. Marco und S. Giorgio Maggiore. Derzeit gibt es hier viele fotografierende BesucherInnen. Interview mit Carol Feuerman
Mehr Informationen zur Marinaressa auf italienisch.



Auch im großen ummauerten Garten des Gutes/Restaurants/Hotels Vinessa auf Mazzorbo, der für BesucherInnen generell offen ist, sind Badenixen ausgestellt, habe ich aber noch nicht gesehen. (Siehe auch Eintrag vom 13.7.2012 Die Pracht eines Nutzgartens auf Mazzorbo.)

Garten der Marinaressa: täglich geöffnet zu venezianischen Parköffnungszeiten (also länger als Biennaleausstellungen(. Haltestelle Giardini und Arsenale. 
Venissa: ebenfalls täglich während der Gartenöffnungszeiten, Linie 12 Haltestelle Mazzorbo, da kurz links vom Vaporettohalt durch das kleine Mauertor in den Garten.



Die dunklere Seite der Medaille sehen wir in der Kirche S. Samuele, immer verschlossen und selten für Biennaleausstellungen geöffnet. Evan Penny zeigt seine Werke unter dem Titel Ask Your Body. An zwei überlebensgroßen Männerportraits ist wirklich beispielhaft das Konzept der Hyperrealität dargestellt: existierende Objekte, hier Menschen, die nach den Vorstellungen Evan Pennys überhöht und überdeutlich bis zum letzten Pickel wiedergegeben werden (Fotobeleg mit in der Ausstellung!).

Allerdings sind hier nicht junge attraktive weibliche Körper das Sujet, sondern leidende und tote männliche Körper. Wieder in absolut perfekter Arbeit und Präsentation in der verdunkelten Kirche. Die Beleuchtungsregie zeigt nicht nur die Kunstwerke Evan Pennys, sondern zum ersten Mal wird auch die Kirche S. Samuele selbst in die Ausstellung bewusst einbezogen. Die Tafelbilder der Seitenaltäre, die wunderbare Grabplatte einer Venezianerin. Und mit extrem wenig Licht auch die kostbare Ikone der Panagía Orthokostá auf dem rechten Seitenaltar der Apsis. (Siehe dazu den Eintrag vom 21.8.2009 "Federn, Glas und koloniale Mitbringsel III".) 
Auch die außergewöhnlich gestaltete Apsis kann in Ruhe und ohne Blickeinschränkungen und in allen Details bewundert werden - Operngucker vorausgesetzt.
Haltestelle S. Samuele, Linie 2.

Beide Ausstellungen finde ich unbedingt sehenswert, sie laufen bis Ende November bzw. Anfang Dezember. 





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14. Mai 2017

Zwei benachbarte Palazzi...

Wassergeschoß Soranzo van Axel

... retteten mich fürs Erste aus dieser schlappen Biennale.

Leider zeigte sich beim ersten Besuch in den Giardini und im Arsenale, dass diese Biennale, im Gegensatz zur Biennale 2015, nicht mein Ding ist. Oder nur teilweise vielleicht schon auch mein Ding. Jedenfalls bisher nichts Atemberaubendes, Niederstreckendes, Bewundernwertes, kein Erschrecken, kein Versinken. Allerdings: ich bin keine Schlangesteherin (schon gar nicht, wenn das Angebot kostenlos ist wie während der Previewtage) und habe deshalb bisher nicht gesehen, was alle (Schlangestehenden) offensichtlich begeistert hat. Falls es die Schlange gelohnt hat. Auf dem Weg durch die Pavillons und Zentralausstellungsräume hatte ich jedenfalls das Gefühl, durch blinde Gläser zu sehen: nichts deutlich genug für mich. Und fürchtete um meine Wahrnehmungsfähigkeit.


Innenhof 1 Soranzo van Axel
Die Sorge hat sich erledigt beim Besuch der beiden Palazzi Soranzo van Axel und Pisani bei S. Marina, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegen. Ich kann noch sehen!

Man as Bird ist eine Satellitenausstellung des Moskauer Pushkin Museums. Im Wassergeschoß und im 1. Piano nobile des Hauses Soranzo van Axel werden großzügig verteilt multimediale, z. T. interaktive Werke verschiedener Künstler*innen gezeigt und der frisch restaurierte Palazzo kann bewundert werden. 


Veneto-Byzantinische Patera im Innenhof
Alles Kleinteilige wirkt sehr proper und zartfühlend bearbeitet. Nicht nur an der Außenfassade wurden Fresken freigelegt, sondern auch an der Innenfassade eines der beiden Höfe. Blasse Reste, aber immerhin. Patere, Skulpturen, Säulen- und andere Spolien, Treppenläufe, Reliefs sehen frisch aus.  Und es wurde anscheinend nichts "drauf" restauriert wie leider so oft in Venedig zu sehen. Allerdings: ein Fahrstuhl für die (teilweise) 3 Stockwerke war wohl nicht zu vermeiden im Interesse der Verkaufsbemühungen. In Apartments aufgeteilt wird das Haus seit Jahren im Internet angeboten. Wenn (noch oder wieder) die ganze 1. Wohnetage für eine Ausstellung zur Verfügung steht, scheint das nicht so zu klappen mit dem Verkauf, oder? 


Piano nobile Soranzo van Axel
Die Ausstellung ist poetisch und kraftvoll, sensibel und laut zugleich, und sehr farbig. Es gibt mehrere junge Frauen mit Engelsflügeln, die als Begleiterinnen freundlich und sprachkundig zur Verfügung stehen.
Die Ausstellung endet am 5.9., Eintritt frei, ich empfehle unbedingt den Besuch. Haltestelle Fondamente Nove (Eingang links von der Kirche S. M. dei Miracoli).



Palazzo Pisani, Piano Nobile
Sokari Douglas Camp, All the world is now richer
Nach diesem erfreulichen Erlebnis landete ich ungeplant in der Eröffnungsfeier des Diaspora Pavilion des Arts Council England im Palazzo Pisani bei S. Marina (einmal um den Palazzo Soranzo van Axel herum: links, links, rechts, über die Brücke, an deren Fuß in die offene Tür rechts.)


Treppenhaus Palazzo Pisani
Barbara Walker, Transcended
Hier stellen 19 "ethnically diverse" Künstler*innen aus, die in England leben. Die Eröffnung war rappelvoll in der Eingangshalle, dem winzigen Innenhöfchen, dem Treppenhaus und dem ganzen 1. Piano nobile - und praktisch jede*r einzelne Anwesende war ein anderes Mosaikteilchen der Sammlung globaler Ethnien. Eine Szene ohne Mehrheiten, jeder Gast seine/ihre eigene Minderheit, hinreißend!


Palazzo Pisani, Eingangshalle
Hew Locke, On the Thetis Sea
Die Kunst: "divers" natürlich, beeindruckend, teilweise wild und rätselhaft, und bei der bewegten lauten Menschenmasse der Eröffnung eher schwer in Augenschein zu nehmen. Aber sehr spannend sowie beachtenswert das Gegenkonzept zur biennale-nationalen Sortierung von Kunst.
Interessant auch die 1. Etage des Palazzo Pisani - Eingangshalle und Dachgeschoss werden regelmäßig an Ausstellungsprojekte vermietet, die 1. Etage kannte ich bisher noch nicht. Die Raumaufteilung entspricht nicht den venezianischen Regeln der Dreiteilung, die Ausstattung stammt aus verschiedenen Epochen - ein sehr neuzeitliches Bad, schönes Murano, ältere Böden und wunderbare alte Balkendecken.

Eine Ausstellung, die vor Kreativität knallt. Nicht verpassen.
Läuft bis Ende November, aber zur ungewöhnlichen Zeit von täglich 18-21 Uhr.

Ergänzung 7.6.: 2 Kommentare, die nicht übersehen werden sollten: mittlerweilse normale Öffnungszeiten einerseits und geschlossen DIENSTAGS andererseits! 

Ergänzung 14.6. Khadija Saye, deren fotografische Werke im Diaspora Pavillon zu sehen sind, ist unter den Vermissten der Brandkatastrophe des Grenfell Tower in London.
25.7.: In Memoriam Khadija Saye.


Ergänzung 20.7. Seit heute bei Sedition als Digitalkunswerk zu sehen (und zu erwerben) ist "All The World Is Now Richer Meets The Woman Who Refused To Dance" von Sokari Douglas Camp. Erläuterungen unter dem Link.


Michael Forbes, Untitled


Die Zentralausstellungen bekommen eine 2. Chance, mit einer bezahlten Eintrittskarte...
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