18. April 2009

Atlante della laguna


Venedig ist nicht nur Geschichte, Architektur und Kunst, es ist auch ein Raum einzigartiger Natur und Ökologie zwischen Land und Meer. Wer sich für das Thema interessiert, findet sehr viel Material auf italienisch, verteilt auf Fachbücher, die man sich als Normalverbraucher nicht antut.

2006 wurde von der Comune Venezia bei Marsilio Editioni (ISBN 88-317-8764-0) "Atlante della laguna. Venezia tra terra e mare" herausgegeben. Informationen und Daten, von der Universität und anderen Forschungsinstituten und Behörden Venedigs, jeweils hochspezialisiert in ihren Fachbereichen, wurden gesammelt und zu einer informativen und anschaulichen Gesamtsicht des komplexen Ökosystems der Lagune Venedigs zusammengestellt. Sehr spannend, aber italienisch. Die einzelnen Texte gibt es als gedruckte Beilage auch auf englisch. Das Buch ist fast 3 kg schwer und so unförmig, dass es nur mit Mühe zu transportieren ist, weshalb ich mir die Anschaffung dreimal überlegt und dann (auch dank Preisermäßigung durch Beziehung...) trotzdem zugelangt habe. Es gibt als weitere Beilage immerhin eine CD-ROM, die einem die Handhabung erleichtert, man kann so das Buch im Regal deponieren.

In dieser Woche hat die Comune
Venezia den Atlante della Laguna online gestellt, auf italienisch UND englisch, was ich großartig finde und deshalb die Nutzung der Website sehr empfehle. Der Atlas ist gegliedert in die Bereiche Geosphäre (Klima, Geologie und Hydrologie), Biosphäre (Fauna und Flora), Anthroposphäre (Verschmutzung, Flächennutzung), Schutzbereiche und Analysen.
Es gibt einen guten Guide zur Nutzung der Website. Alle Anhänge (Glossar, Autoren etc.) sind vorhanden.

Die Texte zu den einzelnen Bereichen aus dem Buch sind über Info abrufbar, das Kartenmaterial ist online natürlich ausführlicher und besser zu verwerten als in der Printausgabe. Mit ein bisschen Gefummle kommt man schnell in den Karten zurecht und in den Genuss der überaus fleißig und akribisch zusammengetragenen Informationen.

Ein tolles Angebot, finde ich, das auch eher kunst- und geschichtsorientierte Venedig-LiebhaberInnen ein Stück weit in die Naturwissenschaften locken kann!

12. April 2009

IMOB schon hinüber?


Ich kanns kaum glauben.
IMOB soll schon veraltet sein?
Diese praktische Erfindung, die allen mir bekannten ÖPNV-Systemen voraus ist?
Ein Opfer der rasend voran schreitenden Informationstechnik?

Das Gerücht findet sich im aktuellen Newsletter von Buongiorno Venezia.


10. April 2009

Venedig ist kein Hotel


Im letzten Herbst betrat eine elegante Dame mittleren Alters ein Boot der damaligen Vaporettoline 3 (nur für Einheimische und Inhaber einer Carta Venezia für Nonresidenti), richtete eine feurige Rede an die Passagiere, forderte zum Kampf gegen den Ausverkauf der Stadt auf und verteilte Flugblätter an alle "Diese Stadt ist kein Hotel", "Venezia ist kein Spiel".

40xVenezia ist eine Bewegung von VenezianerInnen, geboren in den 60er und 70er Jahren, die ohne finanzielle Interessen eigene Visionen und zukunftsorientierte/nachhaltige Vorschläge in die Entwicklung der Stadt einbringen wollen.

Es ging in diesem konkreten Fall um ein Gesetz, das die Umnutzung von Wohnraum zur Vermietung an Touristen noch einmal bedeutend erleichtern sollte. Natürlich mische ich mich als Touristin und Gast nicht in kommunalpolitische Fragen ein. Aber schon wenn man ein paar Jahre öfter nach Venedig kommt, erschrickt man über die steigende Zahl der neuen Hotels, den zunehmenden Luxus der Angebote, und die rasant wachsende Menge von 'Ferienwohnungen'. Und parallel dazu den Auszug der Venezi
aner aus ihrer Stadt, was mittlerweile jeder noch so schlichte Reiseführer als Problem benennt.


Für das Stadtbild ist die wachsende Zahl restaurierter Gebäude positiv, dass bei den Restaurationen aber weitgehend Hotels herauskommen, weniger.
Immer mehr Palazzi, z. B. am Canal Grande, sind nach Entfernung der Gerüste Luxusschuppen. Die ehemalige Stucky Mühle auf der Guidecca, deren Brand am 15. April 2003 ich zufällig auf auf dem Weg nach Griechenland entsetzt miterlebte, ist jetzt ein protziges Riesen-Hilton. Die Hauptpost an der Rialtobrücke wurde verkauft und ich befürchte Schlimmes.
Auf der anderen Seite wurden gute Pläne bisher nicht umgesetzt. Wie z. B.
das große ehemalige Jesuitenkloster (an der Gesuite-Kirche in Cannaregio), das zuletzt als Kaserne genutzt wurde und jetzt bis auf eine Polizeistation leer steht, als modernes Studentenwohnheim herzurichten.

Mich irritiert dabei auch die Diskrepanz zwischen der Genervtheit der EinwohnerInnen ("Venedig verkommt zum Disneyland") und der offensichtlichen Gier, mit der die Venezianer selbst den Wohnraum ihrer Stadt nicht mehr an Mitbürger vermieten, sondern entschieden profitabler an Touristen. Wer nur ein einziges 50 qm großes, von der Großtante geerbtes Appartment einrichtet, mit einem kleinen Bad ausstattet und für (billige!) 100 €/Nacht vermietet, angeblich in der Regel an der Steuer vorbei, kann damit schon einen kleinen Lebensunterhalt finanzieren. Vorausgesetzt, er muss nicht selbst Miete zahlen!

Aus der Sicht der Denkmalschützer ist die Nutzung in der ursprünglich vorgesehen Art als bürgerlicher Wohnraum dem Umbau in Hotels vorzuziehen. Die E
ntkernung eines Palazzo zwecks Neuaufteilung der Räume, und z. B. dem Einbau um vieler Nasszellen schadet natürlich mehr als der Erhalt (und die Restaurierung) einzelner Wohnungen, die als 'Ferienwohnungen' verkauft oder vermietet werden.

Haus mit Etagen-
Ferienwohnungen in Castello


Ich selbst gehe mittlerweile nur noch dann ins Hotel, wenn ich nur 1-2 Tage in Venedig sein kann. Eine Ferienwohnung hat keinen Service (den ich nicht brauche), aber wesentlich mehr Platz und Ruhe als ein Hotelzimmer. Und dem venezianischen Hotelfrühstück ziehe ich immer ein Croissant und einen Espresso in der nächsten Bar vor.
Auch bei Ferienwohnungen gilt: je kleiner die Einheit, umso teurer. Allein Reisende zahlen für ein kleines Appartment ab 100 €/Nacht, mietet man Raum für vier Personen, zahlt jeder ca. 50 € (oder sogar weniger). Aber solche für Einheimische unerschwinglichen Preise sind gerade für reisende Familien, verglichen mit Hotelpreisen, ziemlich günstig.

Ich habe bisher drei verschiedene Anbieter von Ferienwohnungen ausprobiert, die Preise nehmen sich nichts und die Abwicklung war jeweils professionell.
Luxrest Venice
Mitwohnzentrale Venezia
FeWo direkt
Ich will für diese Anbieter keine Werbung treiben. Wer mit einem Stichwort wie 'Venice Apartments' o. ä. googlet, findet Mengen von vergleichbaren Ergebnissen, und vermutlich auch den einen oder anderen Abzocker.

Wer eine Wohnung sucht, sollte Kriterien wie Entfernung zur Vaporettostation und Versorgung mit Lebensmitteln nicht zu gering bewerten. Im Norden der Sestieri Cannaregio und Castello gibt es relativ viele Lebensmittelgeschäfte, auch wenn Supermärkte nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Die Verkehrsanbindung über die Fondamente Nove ist gut und man kommt teilweise auch schnell zu Fuss an den Canal Grande bzw. an die Stationen am Becken von San Marco.

28. März 2009

Koloniale Mitbringsel 2 - die Mesopandítissa in Santa Maria della Salute


Venedigs zweite "nicht von (Menschen-)
hand gemachte", sprich "vom Hl. Lukas gemach-
te", ist die
Mesopandítissa in der Salute Kirche.

Sie ist nicht "schwarz", wie gerne behauptet wird, sondern einfach alt, wie auch die Nikopió in San Marco (siehe vorherigen Eintrag).
Auch sie stammt ursprünglich aus Konstantinoupolis und wurde während des Bilderstreits und vor der Eroberung der Stadt durch die Kreuzfahrer nach Kreta, damals Chandaka, gerettet. Sie wurde dort, wie die Odigítria in Konstantinoupolis, die zentral verehrte Ikone und hatte ihren Sitz in der Hauptkirche Agios Titus, in Wohngemeinschaft mit den Reliquien eben dieses Heiligen.


Ihr Name ist nicht so sinnfällig wie der der Nikopió/Siegbringerin. Im Prinzip tragen viele orthodoxe Marienikonen einen persönlichen Namen wie du und ich, und die, die keinen Eigennamen haben, gehören zu einer inhaltlichen "Gattung", der man sie zuordnen kann. (Die Mesopandítissa ist eine Odigítria, eine Wegweiserin.) Auf der Website der Pfarrgemeinde im heutigen Iraklion, zu der sie ursprünglich gehörte, wird der Name pragmatisch definiert als "Die zwischen Lichtmess und Fastenbeginn (ihren Feiertag hat)". Älter ist die Übertragung "Die zwischen den Parteien Vermittelnde, die Mediatorin". Die Wunderwirkung der Ikone der Mesopandítissa liegt nicht im Militärischen , wie die der Nikopió, sondern in der Aussöhnung Verfeindeter, mit legendären Belegen.
Besonders während des heiklen Agios-Minas-Aufstandes 1264 der anfänglich permanent gegen die venezianische Kolonisierung rebellierenden Kreter kam es zum Friedensschluss durch die aktive Intervention der Ikone.


Die Venezianer übernahmen die Verehrung der Kreter für die Ikone, deren dienstägliche und feiertägliche Prozessionen (die den Riten in Konstantinopel entsprachen) ausgedehnt wurden. Die Ikone wurde nicht mehr nur zwischen den orthodoxen Kirchen paradiert, sondern vor allem auch zu den lateinischen Kirchen und Klöstern innerhalb der Befestigungsmauern der Hauptstadt Candia.
Zur Teilnahme verpflichtet war nicht nur die Bevölkerung, sondern auch der orthodoxe und der lateinische Klerus (letzterer sogar bei Strafandrohung). Die Prozession der Ikone wurde so zum wöchentlichen Hauptevent in Candia und wichtigen sozialen und religiösen Bindeglied zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen Venezianer - Kreter. Die Mesopandítissa spielte sozusagen die Rolle der Garantin kolonialen Friedens und Harmonie auf der Insel Candia.


Als die Venezianer unter Francesco Morosini (siehe auch Eintrag vom 20.4.2008) nach langer Belagerung durch die Osmanen Candia 1669 aufgeben mussten und die Insel damit komplett in Feindeshände fiel, wurde die Mesopandítissa neben Menschen, Archiven und anderen Werten als Bestandteil des kolonialen Erbes nach Venedig gerettet. Ihre neue Kirche wartete bereits, Santa Maria della Salute.
Sie blieb und bleibt in Venedig, als Versicherung gegen die Pest, während die ebenfalls "geretteten" Reliquien des Hl. Titus immerhin 1966 zurück reisen durften.

Die Ikone wird, wie die Nikopió von San Marco, nicht mehr herumgeschleppt. Statt dessen kommt jährlich am 21. November die ganze Stadt - Bevölkerung, Honorationen, Ruderclubs, der Patriarch... zu Besuch, man hängt ihr ihren gesamten Gold- und Silberschmuck um, eine Brücke wird für drei Tage über den Canal Grande gebaut. (Siehe auch Eintrag vom 12.1.2008).

Ein verbindendes Fest,
ein ziemlicher Rummel. Aber vielleicht war das nicht viel anders, früher auf Kreta.


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15. März 2009

Koloniale Mitbringsel 1 - die Nikopió in San Marco

Venedig ist voller "Beutekunst" - jahrhundertelang schleppten die Venezianer aus den Gegenden um das östliche Mittelmeer alles heran, was der Zierde und dem höheren Lob ihrer Stadt diente. Besonders in und um San Marco herum kann man großartige Funde und Einzelstücke bewundern, am besten mit Hilfe eines Opernguckers um Einzelheiten zu erkennen.


Die Ikone der Nikopió, (Παναγια Νικοποιο), die Venezianer nennen sie Nikopea wegen der weiblichen Endung, wird seit Jahrhun-
derten in Venedig unter den Schätzen von San Marco besonders verehrt.

Auf dem allgemeinen Rundgang durch San Marco vom Eingangsportal an der Westseite aus kann man sie kaum richtig wahrnehmen. Deshalb tritt man besser durch das Nordportal (das Gottesdienstportal) ein und ist in der Nordecke des Querschiffs direkt neben der Capella San Isidoro. Hier ist sie auf dem Altar die Ikone ausgestellt.
Samstags, wenn in San Marco geheiratet wird, machen die Bräute beim Auszug aus der Kirche alleine einen kleinen Schlenker und legen ihren Strauss (heutzutage eine für die Nikopió zusätzliche besorgte Version, der echte Brautstrauss muss natürlich mit zum Fotografen) auf den Altar.

Die Nikopió ist eines der vielen Beutestücke des 4. Kreuzzuges, bei dem Konstantinoupolis, die Hauptstadt des byzantinischen Kaiserreiches, von den Kreuzfahrern, angeführt von den Venezianern, erobert wurde. Sie war dort neben der berühmten Ikone der Odigitria die "wichtigste" Ikone, weil militärisch wundertätig gemäß ihres Namens "Siegmacherin", Siegbringerin. Die byzantinischen Kaiser ließen sie in Kriegen den Truppen voraustragen, die auf die Wunderkraft der Ikone vertrauend in den Kampf zogen, was sollten sie auch tun...
Da die Siegmacherin noch während der Belagerung Konstantinopels als "Geschenk" des künftigen Kaisers Alexius V. eingesackt werden konnte, waren die Venezianer wohl guter Hoffnung, wem mit Hilfe der Ikone die Siege künftig zufallen würden.

Die Ikone stammt aus dem 11. Jahrhundert und gehört zu den sogenannten "nicht von (Menschen-)hand gemachten" Ikonen, d. h. sie wird legendenmäßig der Künstlerhand des Apostels Lukas zugeschrieben. Rechnerisch ist das nicht drin, und die 'Beweisketten' aus späteren Jahrhunderten zur Unterstützung solcher Legenden beweisen vor allem die Bedeutung ihrer Funktion in den christlichen Kirchen dieser Zeit. Es gibt noch eine "Lukas"-Ikone in Venedig, über die ich ein anderes Mal berichten werde.

Die Ikone erreichte Venedig Anfang des 13. Jahrhunderts zusammen mit vielen anderen Schätzen aus Konstantinopel, wurde aber nie in der Schatzkammer von San Marco verstaut, sondern zunächst in der Sakristei ausgestellt, später zu besonderen Festen auf dem Hauptalter und sehr viel später fest installiert im Norden des Querschiffs. Weitere ungewöhnliche Hochachtung wurde ihr gezollt, in dem der Doge sie anläßlich von Festen speziell zum Gebet aufsuchte.

Die Venezianer übernahmen mit der Errichtung Ihrer Überseekolonien u. a. auch neue religiöse Rituale, als innen- und außenpolitsche Machtbelege. Die wöchentlichen Dienstagsprozessionen in Konstantinopel der Ikone der Odigitria, der berühmtesten "nicht von (Menschen-)hand" der orthodoxen Kirche, wurden umgesetzt in Prozessionen der Nikopió auf dem Markusplatz an Marienfeiertagen (z. B. 25.3. Verkündigung und Gründungstag der Republik Venedig, 15.8. Himmelfahrt der Maria) und Weihnachten.
Sie wurde aber auch zu anderen wichtigen Anlässen durch die Stadt paradiert, z. B. in Bittprozessionen gegen die häufigen Pestepidemien (z. B. 1630 an 15 aufeinander folgenden Samstagen), und sogar zur Baustelle der Salutekirche anläßlich der Grundsteinlegung dort.

Heute wird die Nikopió nicht mehr herumgetragen. Es gibt aber trotzdem, nach 800 Jahren, weiter jeden Sonntag eine Prozession zu ihren Ehren innerhalb San Marco. Zum Ende der Marienvesper, die im Hauptschiff gesungen wird, ziehen Priester und Gemeinde durch die Kathedrale mit Weihrauch und Gesang und beenden die Vesper in der Cappella San Isidoro vor der Ikone.
Auch für nicht Katholische oder sogar nicht Religiöse ist die Teilnahme ein beeindruckender Einblick in die religiösen Traditionen der Venezianer.


Zu diesem Thema gibt es ein hervorragendes, aber teures Buch: Maria Georgopoulou, Venice's Mediterranean Colonies. Immerhin gibt es davon eine 28seitige Leseprobe im Internet.






6. März 2009

Venedig im Coca Cola Stress?


Konzernfrei -
ästhetisch -
hoffentlich wirksam -
private Werbung in Venedig



Eigentlich wollte ich mich aus dem Coca Cola-Streit raushalten. Oder doch zumindest mit griechischer Gelassenheit abwarten, wie sich die Sache entwickelt.

Eine kleine Korrespondenz mit Peter Krakowizer von heute will ich reinstellen, damit das heiß umkämpfte Thema hier nicht übergangen wird:


Ich hätte da wieder einmal einen Beitrag für den Venedig-Blog, falls nicht eh schon bekannt:

Kein Ausverkauf Venedigs an Coca-Cola

Unter dem Druck heftiger Proteste beschloss Bürgermeister Massimo Cacciari, auf ein Angebot des Getränkeherstellers Coca Cola nun doch zu verzichten. Coca Cola hätt der Stadt in den nächsten fünf Jahren 2,1 Mill. an „Sponsorgeldern“ ausbezahlt. Im Gegenzug wollte der US-Konzern im gesamten Stadtgebiet Getränke- und Imbissaustomaten aufstellen. Nun meint Cacciari, das Angebot sei „als unzulänglich bewertet worden“. Nunmehr soll eine Ausschreibung folgen, die bessere Sponsorangebote bringen soll.

Die Stadtverwaltung hatte versichert, dass diese Automaten nur an jenen Orten aufgestellt werden hätten sollen, wo sie nicht allzu stark auffielen: etwa an Anlegestellen der Vaporetti. Auslöser des Protests waren Vertreter der Gastronomie, die um ihre eigenen Pfründe fürchteten.

Quelle: printmedium Salzburger Nachrichten 4. März 2009

Schöne Grüße
Peter

Guten Morgen Peter,
vielen Dank!

Ich habe das Coca-Cola-Trara verfolgt und noch nix dazu geschrieben, weil ich mir dachte, abwarten! Zuviel Geplärre! Es war sehr früh klar, dass die Coca-Cola-"Gegner" nicht gegen Coca-Cola-Automaten waren, sondern gegen die Verschleuderung der guten Geldquelle, es war von mindestes dem Doppelten die Rede, das Cacciari hätte rausschlagen sollen.

Es ist ausserdem so, dass ich zwar Venedig-Liebhaberin bin, aber keine Venedig-Romantikerin.
Heißt, die Stadt muss doch an der Zeit partizipieren und ihre Bürger und Besucher im notwendigen Umfang normal versorgen, solange Überflüssiges rausgelassen wird. Sonst gäbe es weder Vaporetti noch Strassenbeleuchtung. Und unter "Überflüssiges" würde ich noch nicht mal die potthässlichen Gerüstverkleidungen verstehen, die in den letzten Jahren überall zu sehen sind, denn die hängen da ein paar Jahre und sind dann wieder weg. Auf die lange venezianische Geschichte gesehen ein Nadelstich.

Die Cola-Automaten hätten angeblich keine Cola-Aufmachung gehabt (ich stelle mir vor: nicht dieses aggressive Rot mit dem Schriftzug), und wären nicht "überall in der Stadt", sondern da aufgestellt worden wo VIELE Leute sind, sonst rechnet sich die Sache ja nicht. Also an den Stellen, an denen es sowieso wimmelt von Touristenläden, Fressis etc., die ebenfalls als Geldquelle akzeptiert sind.
Ich bin die Letzte, die einem amerikanischen Großkonzern ein Ticket nach Venedig kaufen würde, (und trinke San Benedetto), aber wenn der sich ordentlich an der Finanzierung der Erhaltung dieser wunderbaren Stadt beteiligt ... und auf protzige Selbstdarstellung und Imagewerbung verzichtet!
Die Benachteiligung der lokalen kleinen Händler ist zwar problematisch, aber man sollte die erstmal hören, wenn die Steuer erhöht würde, um solche Sponsorverträge zu vermeiden.

Bist Du einverstanden, wenn ich diese kleine Korrespondenz unter Verlinkung auf Deine Website in mein Blog setze?

Zu ergänzen ist vielleicht noch, dass die Marketingagentur, die den Vertrag zwischen Coca Cola und der Comune Venezia eingefädelt hatte, dafür mit 400.000 € entlohnt werden sollte. Bei dem Preis ist der Vertrag von zweieinhalb Millionen dann wirklich kein Schnäppchen!

Entscheidend ist, die Kulturschätze zu erhalten, die bisher in Venedig die Zeit überdauert haben, mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen. Und sich für dieses Ziel Zimperlichkeiten und eitle Streitereien zu verkneifen.

Ich trauere um den Verlust des Historischen Archivs der Stadt Köln.


25. Februar 2009

Brücken in Arbeit

Ponte Donà in der Stahlklammer, August 2008 (rosa dahinter: Palazzo Donà)
Foto unbedingt vergößern!
Die große Brücke Ponte Donà über den Rio dei Gesuiti in Cannaregio zwischen den verschiedenen Anlegestellen der Vaporettostation Fondamente Nove ist schon seit 2007 in Reparatur. Die Brücke wurde von aussen geklammert und die ganze Treppe abgetragen und neu aufgebaut.

Ich übernachte normalerweise in dieser Gegend und habe als begeisterte Baustellenguckerin die Bauarbeiten zur Renovierung und Erhöhung der Fondamente beobachtet und fotografiert.

Restau-
rierung der rechten Seite des Ponte Donà, März 2007.

Linkes Foto Blick durch den Bauzaun von unten, rechtes Foto Blick durch den Bauzaun von der anderen Seite oben.

Ponte Donà im August 2008:
linkes Foto: die rechte Hälfte der Brücke ist fertig gestellt.
Rechtes Foto: Blick durch den Bauzaun auf die linke Hälfte, die jetzt in Arbeit ist.

Die Fondamente Nove sind neben Piazzale Roma und den Anlegestellen in der Nähe des Markusplatzes der dritte Hauptverkehrspunkt der Stadt. Hier kommen morgens Massen von Schülern an, alle Friedhofsbesucher, Touristen in die Laguna Nord nach Murano, Burano, Torcello, und Reisende vom und zum Flughafen werden hier durchgeschleust. Es gibt hier einen Ruheraum für die Vaporettofahrer der ACTV-Verkehrsbetriebe und zwei Restaurants direkt am Wasser, nicht zu vergessen die beliebte Pizza- und Eisbude an der Ecke der Calle dei Buranelli. Nach vier?? Jahren mit Engpässen und Staus wird diese schöne Ecke Venedigs in diesem Jahr hoffentlich baustellenfrei und in restaurierter Pracht ungehindert nutzbar für den Trubel an den Anlegestellen, Jogger, Friedhofsbesucher...

Die viel begangene Brücke Ponte dell' Accademia sollte laut Vorschlag der Comune Venezia ab 2007 restauriert werden, wofür zwei Jahre Bauzeit und über 2 Millionen Euro nötig gewesen wären. Zu teuer, wie nun entschieden wurde. Im Newsletter von Venice Word war zu lesen, dass es jetzt Pläne der Stadt gäbe, die Brücke neu bauen zu lassen, und zwar "ohne öffentliche Gelder auszugeben", sprich den Ersatz der Brücke sponsern zu lassen. Der Bau soll 4,5 Millionen kosten, die Bauzeit ebenfalls zwei Jahre dauern. Mehr kann ich darüber momentan nicht in Erfahrung bringen und bin entsprechend skeptisch.

Die Renovierung der beiden Brücken auf Torcello kommt dagegen gut voran. Ich verlinke den Blog Allogi Barbaria (des gleichnamigen kleinen Hotels in Castello), der über den Ponte del Diavolo berichtet (Achtung, englische Computerübersetzung!). Die zweite ist die Brücke kurz vor der Piazza, an der Locanda Cipriani. Von Mitte Januar an war der Weg entlang des Kanals noch einmal für 3 Wochen wegen der Gefahren für Fussgänger gesperrt, sollte inzwischen aber wieder begehbar sein.

Anlässlich der 53. Biennale wird demnächst eine neue Brücke gebaut, wie spannend! Sie soll von Castello in das neue Gelände innerhalb des Arsenales, genannt "Padiglione Italia" führen. Der neue Padiglione Italia, der letztes Jahr eröffnet wurde, wird erweitert um das bisher brach liegende Grüngelände Tese delle Vergini. Der neue Eingang ins Arsenale über die neue Brücke wird nach meiner Einschätzung am Rio delle Vergine liegen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass eine neue Brücke von der Insel San Pietro zum Arsenale geschlagen wird.

Unter Live Search Maps ('Venedig' als Suchadresse eingeben, ein direkter Link ist leider nicht möglich) kann man am östlichen Ausgang des Arsenales (unterhalb der beiden Türme) das Gelände gut einsehen, inkl. links davon die chinesichen Exponate der 51. Biennale 2005 auf der Wiese (Vogelperspektive anklicken!)

Die Tese delle Vergini sind Teile des Gartens des ehemaligen Frauenklosters Santa Maria delle Vergini. Vom Kloster selbst existiert nichts mehr ausser einem Bogen mit Madonna, Kind, S. Marco und S. Augustinus sowie einer Tafel von 1557, eingelassen in die Arsenaleaussenmauer (zu sehen s. o. am linken Ende der Arsenalemauer). Es war eines der Klöster, in denen zur Zeiten der Serenissima Upper-Class-Töchter entsorgt wurden, um die Aussteuer zu sparen und so den Familienbesitz zusammenzuhalten.
Es gibt über die Rolle der venezianischen Klöster ein ganz spannendes Buch, das ich wirklich sehr empfehle: "Die Jungfrauen von Venedig. Gebrochene Gelübde - das wahre Leben hinter Klostermauern". Leider ein überflüssig dämlicher Titel der deutschen Übersetzung für ein informatives Buch.



Der frühere Padiglione Italia (bis zur Biennale 2005) in den Giardini wird übrigens umgewidmet und umbenannt in "Padiglione delle Esposizioni" und soll künftig ganzjährig und nicht mehr nur zur Biennalezeiten für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden.

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