16. Juni 2019

Sun + Sea + Marina + Litauen



Auf der Galerie des Pavillons Litauen "Sun and Sea"

Der Überraschungssieger der nationalen Präsentationen dieser Biennale ist Litauen mit der Performance "Sun and Sea (Marina)", die Siegerinnen heißen Rugilé Barzdziukaité (Filmemacherin und Projektleiterin), Vaiva Grainyté (Autorin und Dichterin) und Lina Lapelyté (Komponistin, Musikerin, Performancekünstlerin). Es ist ein Projekt, dessen Performance und Musik sich magisch kunstvoll, melancholisch, harmonisch und mit sanften Farben der drohenden Umweltkatastrophe nähert, die wir unbedacht im Alltag ausblenden. 





Die Performance findet statt im Arsenale, aber im MILITÄRISCH genutzten Bereich, also niemals zugänglich für Besucher. Jenseits der Ausstellungshallen der Biennale, jenseits auch der Bereiche, die Besucher bei öffentlichen Gelegenheiten wie "offenen Türen" oder dem jetzt wieder anstehenden "Salone Nautico" betreten dürfen . Man kann sich nur über diesen Standort wundern, und es bedurfte wohl einiger Verhandlungen, damit die Anmietung dieses Gebäudes zustande kam. 

Die Anforderungen an einen Raum für das Performanceprojekt sind außergewöhnlich an Größe, Ton- und Lichtinstallation, einer begehbaren Galerie um den Strand von oben beobachten zu können, musiktolerante Nachbarschaft (der Film/die Musikperformance des isländischen Pavillons im Gartenhaus des Palazzo Zenobio musste vor einigen Jahren auf Beschwerden der Nachbarn - tagsüber! -  so leise vorgeführt werden, dass quasi ein Stummfilm daraus wurde). Aber für solche Dinge hat Venedig Locationscouts: die Location ist perfekt, sogar die Galerie war komplett vorhanden und ist kein Einbau. Besucher*innen betreten einen großen Dachboden, über sich die Dachpfannen, unter sich ein einen schlichten Bretterboden aus dessen Ritzen die Strahlen des lichtdurchfluteten Strands eine Etage tiefer scheinen. 
Draußen steht alle paar Meter ein Aufpasser, oder ein kleines Grüppchen im Gespräch, alle in Zivil aber wachsam, damit niemand im militärischen Sperrgebiet fehl tritt und alle Gäste das Gelände wieder verlassen.

Der Eingang ist nicht leicht zu finden und ein einziges schlichtes Aufstellschild auf dem Campo della Celestia spiegelt die Bescheidenheit, aber auch das Selbstbewußtsein der Künstlerinnen: sie werden uns schon finden! 
Und tatsächlich laufen plötzlich die Leute herum in diesem stillen Winkel von Castello, nix los hier an der Nordwestecke des Arsenale, wirklich nur Wohnungen (und Ferienwohnungen), ein Universitätsnebengebäude und ein Ruderclub. Und an den Performancetagen steht eine Warteschlange. So kommt man hin: Haltestelle Celestia, dann links aber nicht über die Brücke, sondern am Kanal entlang geradeaus, zwischen den Wohnhäusern durch zur Calle de la Celestia, dort links, am Eingang des Universitätsgebäudes vorbei Richtung Arsenalemauer. Am kleinen Tor zum Arsenale sitzt gut sichtbar eine Empfangsperson.

Die Veranstaltung ist kostenintensiv (3 €/Minute wurden ausgerechnet), deshalb war die 8-Stunden-Performance zunächst für die Eröffnungstage und dann nur an Samstagen geplant und durch Crowdfundig vorläufig finanziert. Mit dem Goldenen Löwen und dem Publikumserfolg kamen zusätzliche Mittel (vom Staat Litauen, der Stiftung Laurenz Basel, weiteren Stiftungen und Personen), und nun wird erfreulicherweise auch am Mittwoch indoor gesonnt und gesungen und die Finanzierung bis zum Ende am 31.1. ist gesichert.

Dazu schreib die New York Times: Their Beach Opera Won at the Biennale. But They can hardly afford it

Es gibt Bedarf an Freiwilligen, die sogenannten Beach-goers, die neben dem festen Cast an Sänger*innen und Performer*innen den Strand bevölkern. Großartig! Man sich sich auf die Liste setzen und die Perspektive vom Kunstkonsumierenden zur Beteiligten wechseln. Ich habe mich für je einen Samstag im Juni und September angemeldet und wurde für beide Termine eingeladen. Leider kam ich dank technischer Probleme von Eurowings (mal wieder!) am Juni-Samstag nicht um 12, sondern erst nach 19 Uhr in Venedig an und musste ärgerlichweise per Mail meine Teilnahme am Nachmittag absagen. Zum Glück gibt es den 2. Termin, für den ich Strandlaken, Badeanzug und Sonnenhut gar nicht erst wieder auspacke.  

Das Libretto mit den Liedtexten hängt in einigen Exemplaren an der Balustrade der Galerie aus. Hier kann man die Texte herunterladen.
Katalog und Vinyl gibt es am Empfang der Location oder online zu bestellen.

Einige Medienkommentare zum litauischen Pavillon:


Bisherige Einträge zur Biennale 2019:

25.4.19 Kunstbiennale 2019 - Medienspiegel 
23.4.19 Biennale 2019 - Die Synchronen
11.4.19 TBA21 öffnet San Lorenzo
10.3.19 Biennale 2019 - Die Kollateralen
27.2.19 58. Kunstbiennale Venedig - Vorschau der Länderpavillons



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