9. Dezember 2019

Venedig - Weihnachten und Jahresende 2019



Laut 'La Nuova' wurden bis zu 45 % der Reservierungen um Weihnachten und Neujahr herum abgesagt. Wenn das stimmt, dürfen sich die Venezianer*innen nach den Schrecken und vielfältigen Mühen der letzten Wochen und obendrauf des gescheiterten Referendums auf ein paar ruhige Tage freuen, selbst wenn sie die vielleicht nicht in der Stille der Dolomiten verbringen könnten (was ich Ihnen wünschen würde). 
Denn schon seit Jahren gibt es die 'ruhigen Wochen', eingeschoben in die Ganzjahreshauptsaison, ja eigentlich nicht mehr, auch wenn zwischen Neujahr und Carnevale ein Teil der Hotels und Gaststätten schließen. 
Und auch die 55 % (was das in Zahlen auch bedeuten mag) Hartnäckigen dürfen sich sich hoffentlich freuen auf ein Venedig ohne Menschenmassen, mit leeren Gassen und Museen, auch wenn die Tage kurz, das Lebensgefühl winterlich matt und die Stadt nicht lichtdurchflutet und serenissima ist.

Ich sammle hier wieder Termine im Dezember und Januar für die Winter- und Festtagsbesucher*innen, sortiert nach Datum nicht nach Inhalten, bunte Mischung aus religiös, kommerziell, kulturell - vor allem viel Musik, was ich so finde. Auf venezianische Art kurzfristig wie immer, ergänzt bis zum Ende der Festlichkeiten wie immer.




7.12.-25.2.2020 Campo S. Polo: Die traditionelle Eisbahn mit kleinem Weihnachtsmarkt und Verpflegungsbuden steht auch in diesem Jahr. Viel Spaß, Hals- und Beinbruch.

8.12.-12.1.2020 Ausstellung venezianischer Krippen des Vereins Associazione dei Presepi Spinea. Adresse: Campo S. Polo 2128/a - Calle del Scaleter. Krippenliebhaber*innen finden im Dezember bis mindestens Epifanie (6.1.) in jeder Kirche eine Krippe.

10.-31.12. Teatro La FeniceProgramm Weihnachten und zwischen den Jahren  inkl. Kinderoper Pinocchio, Neujahrskonzert (am Silvesternachmittag) etc.  Tickets und Informationen.

11./12.12. jeweils 18 Uhr Teatrino beim Palazzo Grassi:  Die Biennale der bewegten Bilder. Videokunst. Eintritt frei bis zur Belegung aller Plätze. Haltestelle S. Samuele und Accademia. 

13.12. 13:30 Uhr Festa della Laurea auf der Piazza San Marco. Die Tradition, die frisch "gelorbeerten" Doktoren und Doktorinnen der Univiersität Venedig mit Ehrengästen und Familien groß auf der Piazza zu feiern, ist noch nicht sooo alt. Aber sehr stimmungsvoll, wenn die Doktorhüte in die Luft fliegen. Diese Feier war eigentlich für Mitte November anberaumt, als die Piazza tagelang immer wieder unter Wasser stand und soll nun einen Tag nach dem Dezembervollmond stattfinden. Naja, Daumen drücken, dass die Piazza trocken ist.

13.12.-3.1. CHORUS: Weihnachtliche Kirchenführungen zu Kunstwerken der Weihnachtsgeschichte. Die kostenlosen Führungen werden ehrenamtlich von Mitgliedern des Vereins CHORUS angeboten, Anmeldung wird empfohlen unter info@chorusvenezia.org oder 0412750462 Mo-Sa 10-16 Uhr.

13.12. 10-18:30 Uhr Museum Palazzo Grimani: Fest Santa Lucia, Eintritt frei.
Bisherige Einträge zum Palazzo Grimani. Gesamtrogramm zu den Feiertagen. Haltestelle S. Zaccaria.

13.12. 17:30 Uhr T Fondaco (Fondaco dei Tedeschi): Weihnachtskonzert der italienischen A Capella Gruppe "Neri per Caso". Reinhören. Eintritt frei, keine Anmeldung. Haltestelle Rialto.

13./14.15.12. Lido: Kleiner Weihnachtsmarkt und musikalisches, sportliches, vorweihnachtliches Programm. Virmittagsprogramm am Sonntag 10,- €, ansonsten Eintritt frei. 

14.12. 15 Uhr Punta della Dogana und 17 Uhr Palazzo Grassi: Kostenlose Führungen durch die Ausstellungen (Eintrittskarte vorausgesetzt) in italienischer Sprache.

14.12. bis 22 Uhr Museum Palazzo Grimaniabendliche Sonderöffnung und Führung "Vom Marmor zu den Sternen". Anmeldung zur Führung erforderlich unter pm-ven.grimani@beniculturali-it oder 0039-041-2411507. Bisherige Einträge zum Palazzo Grimani. Gesamtrogramm zu den Feiertagen. Haltestelle S. Zaccaria.

14.12.-26.1. Fondazione Bevilacqua La Masa, Piazza San Marco "Colore Movimento Illusione". Tornquist, Costalonga, Hsiao. Eintritt frei. Haltestelle Vallaresso S. Marco. 

16.12. 20:30 Uhr Kirche San CassianoWeihnachtskonzert des Universitätschores Ca' Foscari. Programm siehe im Link. Eintritt frei. Haltestelle Rialto Mercato.

18.12. 21 Uhr Teatro Goldoni: Weihnachtskonzert "Testimone del Tempo" von und mit Red Canzian. Karten. Haltestelle Rialto.

20.12. 20:45 Uhr Basilica dei Frari: Chorkonzert der Männerchöre Marmolada und Tre Pini. Eintritt frei. Haltestelle S. Tomà.


20.12. 20 Uhr Kirche Santa Sofia: "Venezia Scarlatta" Konzert mit Werken von Vivaldi aus der Konzertreihe San Martino a Natale. Eintritt frei, Anmeldung wird empfohlen unter anticonuovobarocco@gmail.com. Haltestelle Ca' d'Oro.

21.12. 17:30 Uhr Ex-Kirche Santa Chiara Murano: Tango Passion. Ein Konzert mit Tanzperformance aus der Reihe San Martino a Natale.  Eintritt frei, Anmeldung wird empfohlen unter anticonuovobarocco@gmail.com.Siehe auch Eintrag vom 13.1.16 S. Chiara di Murano. Wiederbelebung einer Ruine. Haltestelle Murano Colonna.

21.12. 19 Uhr und
22.12. 16 und 19 Uhr Teatro Goldoni: Weihnachtskonzert "My Favorite Christmas" 200 Stimen erzählen die Weihnachtsgeschichte. Karten. Haltestelle Rialto.

22.12. 20 Uhr Kirche Santi Apostoli: "L'Ispirazione" Konzert mit Werken von Vivaldi aus der Konzertreihe San Martino a NataleEintritt frei, Anmeldung wird empfohlen unter anticonuovobarocco@gmail.com. Haltestelle Ca' d'Oro und Rialto.

22.12. 17 Uhr Teatrino im Parco Groggia: Weihnachtskonzert mit der GV Jazzband und dem Corale Femminile, beides Ensembles der Musikhochschule Giuseppe Verdi. Eintritt frei bis zur Vergabe aller Plätze. Haltestelle S. Alvise. (Siehe auch Eintrag 25.10.2008 "(Nicht geheime) Gärten in Venedig".

22.12. 17 Uhr Casa Tre Oci: "Töne Worte Geschichten" Führung für Erwachsene. Teilnahme kostenlos außer für Besucher*innen mit ermäßigtem Eintritt. Bitte 10 Min. vor Beginn an der Kasse vorsprechen. Haltestelle Zitelle.

22.12. 10 Uhr ab Punta della Dogana Festzug der Weihnachtsmänner im Canal Grande. 11 Uhr Ankunft des Zugs beim Rialtomarkt, Vorweihnachtsfeier mit Musik. Gut zu beobachten von den Ufern und Haltestellen, der Accademia- und Rialtobrücke und vom Campo S. Vio.

23.12. 18:30 Uhr Scuola Granda di San Giovanni Evangelista: Konzert zur 650-Jahre-Feier der Reliquie des Heiligen Kreuzes in der Scuola. Programm, Informationen, Anreise und Anmeldungen unter dem Link oben.

24.12. Frohes Fest!

Öffnungszeiten der Museen an den Weihnachtsfeiertagen und zum Jahreswechsel
Städtische MuseenÖffnungszeiten 
Casa Tre OciÖffnungszeiten
Gallerie dell'Accademia: Öffnungszeiten; 25.12. und 1.1. geschlossen
Ca' d'Oro: Öffnungszeiten; 25.12. und 1.1. geschlossen

24.12. 23:30 Uhr Mitternachtsmette in der Basilica San Marco mit dem Patriarchen
25.12. 10:30 Uhr Hochamt, 17:30 Uhr Vesper in der Basilica San Marco mit dem Patriarchen
31.12. 18:30 Uhr Messe und Te Deum in der Basilica San Marco mit dem Patriarchen
Möglicherweise ist für die Feiergottesdienste eines der Hauptportale geöffnet, ansonsten aber das Nordportal (Porta di Fiore)Auch für Nicht- oder Andersgläubige ein besonderes weihnachtliches Erlebnis. 
Auch in den Gemeinde- oder Klosterkirchen Venedigs und der Inseln werden Feiergottesdienste gehalten, Informationen dazu jeweils an den Kirchenaushängen.

26.12. 16 Uhr Basilica dei Frari: Weihnachtskonzert mit dem Männerchor Polifonico di Ruda. Eintritt frei. Haltestelle S. Tomà.



Weihnachtskonzert 26.12.2018 Basilica dei Frari

28.12.16 Uhr Museum Palazzo Grimani: "Barbara Strozzi e la sua Eredità" Konzert zum Erbe der venezianischen Sängerin und Komponistin Barbara Strozzi. Ermäßigter Museumseintritt, in dem das Konzert enthalten ist. Anmeldung zum Konzert erforderlich unter pm-ven.grimani@beniculturali-it oder 0039-041-2411507. Bisherige Einträge zum Palazzo Grimani. Gesamtrogramm zu den Feiertagen. Haltestelle S. Zaccaria.

28.12. 15 und 16:30 Uhr Scuola Granda di San Giovanni Evangelista: Führung 15 Uhr in italienischer, 16:30 Uhr in englischer SpracheEintritt 15 €. Info, Anreise und Anmeldungen unter dem Link oben. 

28.12. 15 Uhr Kirche S. Sebastiano: CHORUS Führung. Die einzigartige Veronese-Ausstattung von San Sebastiano versteht man am besten mit einer qualifizierten Führung. CHORUS-Mitglieder führen ehrenamtlich und kostenlos. Anmeldung unter info@chorusvenezia.org und 0039-041-2750462. Haltestelle San Basilio.

23.12. 17 Uhr Scuola Granda di San Giovanni EvangelistaConcerto per Venezia. Die junge Violinistin Maya Yoffe aus Karlsruhe gibt ein Fundraisingkonzert im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Brücken - zwischen Ufern" des Deutschen Studienzentrums Venedig. Haltestelle S. Tomà.

31.12. Jahreswechsel an der Riva mit Feuerwerk um 23:30 Uhr über dem Wasser des Bacino (kein Feuerwerk auf der Piazza S. Marco). Das Mitführen von Feuerwerkskörpern und Glasbehältern ist überall in der Stadt verboten. Die Polizei ist mit Sonderbefugnissen ausgestatten, den Menschenfluss zu lenken und bei evtl. Widerstand Strafen von 25 bis 500 € und Platzverweise zu erteilen. Für Silvester und den Neujahrstag ist kein Hochwasser in Sicht, die Passerelle (Hochwasserstege) wurden deshalb bereits entfernt, um beim Feiern nicht im Weg zu stehen.

1.1. 11:15 Uhr Lido, Strand beim Blue Moon: das beliebte traditionelle Neujahrsschwimmen, veranstaltet von den 'Ibernisti', Verein der venezianischen Winterschwimmer*innen. Gäste willkommen. Eintritt frei. 

4.1. 15 Uhr Kirche S. SebastianoCHORUS Führung. Die einzigartige Veronese-Ausstattung von San Sebastiano versteht man am besten mit einer qualifizierten Führung. CHORUS-Mitglieder führen ehrenamtlich und kostenlos. Anmeldung unter info@chorusvenezia.org und 0039-041-2750462. Haltestelle San Basilio.

5.1. 15 und 16:30 Uhr Scuola Granda di San Giovanni Evangelista: Führung 15 Uhr in italienischer, 16:30 Uhr in englischer Sprache. Eintritt 15 €. Info, Anreise und Anmeldungen unter dem Link oben. 

6.1. 16 Uhr Basilica dei Frari: Konzert zum Jahresbeginn mit dem Männerchor Polifonico di Ruda. Eintritt frei. Haltestelle S. Tomà.

6.1. 9:30-11:30 Uhr Canal Grande: Regata delle Befane. Erste Ruderregatta des Jahres zum 42. Mal, Männer verkleidet als "Hexen". Zwischen Mündung des Canal Grande und Rialto. 

21.1. 15:30 Uhr Auditorium Lo Squero, Insel S. Giorgio Maggiore: Eröffnungskonzert der Musikveranstaltungen 2020 mit dem australischen Affinity Quartet. Eintritt frei für dieses Konzert! (Siehe auch Eintrag vom 18.3.18 "Lo Squero - neuer Konzertsaal in Venedig". Haltestelle S. Giorgio M.

Jahreszeitliches Feierprogramm der Metropolstadt Venedig (d. h. alle Veranstaltungen und Unterhaltungsangebote auch auf dem Festland). Einiges Passendes findet sich auch in der Terminliste oben.





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2. Dezember 2019

Referendum Venedig-Mestre floppt, sozusagen

Fortsetzung des Eintrags vom 24.11.19 
"Referendum. Scheiden tut weh? Macht froh?"





Das Ergebnis des 5. Referendums ist eine Zustimmung zur Trennung mit 66,11 % (29.477 Wähler*innen). 33,89 % (15.109 Wähler*innen) sind gegen die Trennung. (Amtliches Zählergebnis 1:07 Uhr 2.12.19)

Im Detail:

  • Venezia Murano Burano  83,48 % ja  16,51 % nein
  • Lido Pellestrina              86,30 % ja  13,69 % nein
  • Favaro Veneto               45,89 % ja  54,10 % nein
  • Mestre Carpenedo         51,25 % ja  48,74 % nein
  • Chirignago Zelarino       47,88 % ja  52,11 % nein
  • Marghera                     36,39 % ja   63,60 % nein


ABER das behauptete Quorum von 50 % + 1 Stimme wurde nicht erreicht, das Referendum wurde gewonnen von den Enthaltungen bzw. vom Boykott, zu dem unter anderen der amtierende Bürgermeister Brugnaro aufgerufen hatte. Wie bereits im oben verlinkten Eintrag gesagt: Wer sich mit seiner Stimme nicht beteiligt, will, dass alles bleibt wie es ist. Was gegen alle großen Hoffnungen wohl zu erwarten war.
Unten die Abstimmungsbeteiligung insgesamt jeweils um 12, 19 und 23 Uhr und die Abstimmungsbeteiligung im Centro Storico von Venedig, in der Lagune und auf dem Festland.



Quelle:
https://twitter.com/TommasoCacciari/status/1201274878688665600

Das Abstimmungsverhalten des Festlandes ist einerseits für das Erreichen der Quorumsschwelle ausschlaggebend, andererseits zahlenmäßig für das Ergebnis.
In dieser Grafik zeigt sich, wo die Trennungbefürworter und Gegner*innen sitzen (ziemlich eindeutig sortiert, finde ich):


Quelle: https://twitter.com/comunevenezia/status/1201297259868119041

Damit wäre die letzte Option der Trennung von Venedig und Mestre gescheitert. ABER vielleicht ist doch noch nicht aller Tage Abend. Für den jetzt eingetretenen Fall, dass das behauptete Quorum von 50 % + 1 Stimme nicht erreicht wird, liegen bereits die Einsprüche fertig in den Jurist*innenschubladen. Denn weder die italienische Verfassung noch das Regionalgesetz sehen ein Quorum bei Volksabstimmungen vor - vielleicht ein Hebel, das Ergebnis anders zu bewerten.  



Zur Vollständigkeit der Dokumentation verlinke ich hier noch die letzten Überzeugungsbemühungen des Gruppo 25 Aprile am Samstag 30.11., 3 Briefe an die Gruppen von Abstimmungsberechtigen und der zweite Teil von "Give Venice a chance:
Brief an die Freund*innen in Mestre
Brief an die Bürger*innen von Marghera
Brief an die Venezianer*innen


#Referendum Due Vvisioni a confronto
Give Venice a chance - seconda parte
(erster Teil 26.11.19 Give Venice a chance - prima parte)


Und 3 weitere Artikel, ebenfalls vom Samstag 30.11., der Essays auf der Website von ytali.:
ytali. Sì o No?
ytali. Perchè io voto Sì
ytali. In oltre_la separazione





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28. November 2019

17 Tage Hochwasserfluten in Folge







Tidenvoraussage der nächsten Tage
Offizielle App, englischstprachige Version zum Tidenstand Hi!Tide


Nachtrag 12.12.19
Blog "I'm Not Making This Up" von Erla Zwingle
Eintrag "The flood, the aftermath"

Ein bewegender und erschreckender Bericht, der gelesen werden sollte. Ich finde, er passt zu diesem Film vom wiederauferstehenden Venedig, und bin bei dabei nicht frei von Sarkasmus, leider. Der Markusplatz ist seit dem 12.11. alle paar Tage unter Wasser, was Besucher*innen eher spannend als dramatisch erleben. Und der Weihnachtsglitter der Piazza gaukelt Normalität vor, spiegelt nicht die Realität der Bewohner*innen.


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24. November 2019

Referendum. Scheiden tut weh? Macht froh?


Quelle: Gruppo 25 Aprile

In einer Woche, am 1. 12. 2019, findet das nunmehr 5. Referendum zur kommunalen Trennung von Venedig und Mestre statt. Das Thema ist hochkompliziert und für Außenstehende (mich) nicht wirklich überblickbar. Ein paar Sätze zur politisch und ökonomisch schwierigen Verbindung der beiden Städte stehen schon im Eintrag vom 4.9.19 "Bettenboom in Mestre - Luxuslogis in Venedig":
"Die Stadt Mestre wurde 1926 nach Venedig eingemeindet. Als quasi proletarische Vorstadt der petrochemischen Industrie am Ufer der Lagune, mit ca. halb so vielen Einwohner*innen als damals im 'Centro Storico', also in Venedig, lebten. Die Bevölkerungsstatistik vom Dezember 2018 zählt 260.520 Bürger*innen im gesamten Stadtgebiet (inkl. aller Eingemeindungen), davon  52.996 Bürger*innen in Venedig (ohne Inseln der Lagune) und 116.996 Bürger*innen in Mestre/Marghera. Dieser Bevölkerungszuwachs und -wandel ist mit ein Grund für die Kommunalwahlergebnisse (Lega und weitere rechte Konsorten!) und die sich rasant ändernde Rolle Venedigs, die immer mehr als "Museumsviertel" der "Metropolitanstadt Venedig" bestimmt wird: das der finanziellen Verwertung dienende Touristenzentrum am anderen Ende der Brücke. Dessen räumliche Kapazitäten ihre natürlichen Grenzen haben und deshalb einträglicher genutzt werden müssen (Luxussegment!). Aber darüber hinaus leicht erweitert werden können, im "Venedig" an der Landseite der Brücke, in Mestre. Verkehrstechnisch kein Problem mit den Trenitalia-Bahnen vom Bahnhof Mestre nach Venedig-Santa Lucia ohne Zwischenstopp und Bussen von ATCV und ATVO, und, so der Verkehr die Nutzung der Schiene erlaubt, mit der Tram."

Die bisherigen 4 Volksentscheide führten jedenfalls nicht zur Scheidung. 

Ergebnis 1979 unter der damals noch sozialistischen Verwaltung des Bürgermeisters Mario Rigo (ein engagierter Vertreter der Trennung, dessen Tod vor wenigen Tagen in Venedig sehr betrauert wird): 72,3 % für die Einheit, 27,6 % für die Trennung. 
Nächster Versuch 1989 während der Amtszeit des Bürgermeisters Antonio Casellati der grün-roten Verwaltung: 57,8 für die Einheit, 42,2, für die Trennung. 
Der 3. Anlauf 1994 mit der Stadtverwaltung des linken Bündnisses mit Bürgermeister Massimo Cacciari ergab 55,6 % fürs Zusammenbleiben, 44,4, % fürs Auseinandergehen.
Beim letzten Versuch 2002 unter Bürgermeister Paolo Costa des Mitte-links-Bündnisses wurde die erforderliche Wahlbeteiligung von 50 % nicht erreicht, damit war das Referendum ungültig.

(Es gab im Lauf der Jahre einige weitere Referenden, und zwar zur Autonomie Venetiens.  Hier geht es um eine nationalistische Bewegung, die mit der Autonomie Venedig-Mestre nicht verwechselt werden darf. Allerdings wurden die Trennungsversuche zwischen Venedig und Mestre mit Erfolg von den separatistischen Gruppen Venetiens instrumentalisiert.)

Beim nächsten Vorstoß am 1.12. also soll die Frage " Sind Sie für die Aufgliederung der Stadt Venedig in zwei eigenständige Städte Venedig und Mestre gemäß dem bürgerinitiativen Gesetzesprojekt  Nr. 8?" mit ja oder nein beantwortet werden. 
Die 256 Stimmbezirke (+ 14 Anstaltsbezirke) sind von 7 bis 23 Uhr geöffnet, die Auszählung erfolgt im Anschluss, das Ergebnis wird noch in der Nacht erwartet. Die Anzahl der wahlberechtigten Bürger*innen von Venedig+Inseln und Mestre  steht erst in der letzten Novemberwoche nach der Ausgabe der Wahlkarten fest.  
Hochgerechnet von den bisherigen 4 Venedig-Mestre-Referenden kostet der Spaß eine gute Million, das muss die Demokratie wert sein. Die Stadt kalkuliert 700.000 € für die Wahlvorbereitungen, 150.000 Kostenerstattungen von Wahlleiter*innen, Wahlsekretär*innen und Stimmenauszähler*innen, 150.000 € für die Sonderausgaben der Verwaltungsabteilungen inkl. Stimmzetteln/ Bürobedarf und über 6.000 € für "buon pasto". Gutes Essen gehört auch bei einem Referendum dazu, wir sind in Italien. 

Interessiert uns das? Ich finde schon! Deutschsprachige Medien wissen dazu wenig und sagen fast nichts, weder im Vorfeld und im Nachgang wahrscheinlich nur, wenn eine Sensation zu melden wäre, aber für Venedig-Appassionati sind ein paar Fakten erhellend, die ich venezianischen Medien und social media entnehme.

Z. B. auch die Folgekosten eines Wahlausgangs, der zur Scheidung führen würde: 2 Oberbürgermeister*innen kosten jährlich 132.000 € (Venedig als Regionalhauptstadt mtl. 6.400 €, Mestre nur mtl. 4.600 €). Der derzeitige Vizebürgermeister bekommt 5.200 € pro Monat, jährlich 62.500 €. 2 Vizebürgermeister schlügen für Venedig mit 57.600 € jährlich (4.800/Monat) und für Mestre mit 41.400 € 3.500 €), gesamt 99.000 € zu Buche (alles elegant von mir gerundet). Dazu kommen die Kosten für 2 Ratsvorsitzende von gesamt 79.200 €, bisher einer: 54.200 €.
Die Zahl und Kosten der Referent*innen würden sich erhöhen, ebenso die Zahl und Kosten der Ratsmitglieder. 

Eine konkrete Auflistung weiterer Kosten bzw. Einnahmen, z. B. von Steuern aller Art, Hafengebühren u. Ä. finde ich nicht im www. (Ein Bereich, in dem mir zugegebenermaßen der italienische Wortschatz fehlt, aber mithilfe eines Lexikons...) 
Lediglich die Verkehrsbetriebe ACTV veröffentlichen eine Einschätzung der Folgen einer Trennung der beiden Städte mit der abschließenden Bemerkung (Google-Übersetzung):  
"Auf der Grundlage der obigen Ausführungen, der aktuellen Vorschriften und der derzeit verfügbaren Informationen scheint es unmöglich, dass die Trennung der örtlichen Bevölkerung einen allgemeinen Nutzung in Bezug auf die Dienstleistungen oder niedrigere Sätze bringen könnte. In der Tat würde die hypothetische Gemeinde Mestre im Rahmen des Dienstleistungsvertrags ein strukturelles Defizit von 13 bis 14 Mio. im Jahr verzeichnen... die in jedem Fall zu zahlen sind, um den Bestimmungen des Gesetzes über Dienstleistungsverträge zu entsprechen."
Nun denn. Ich habe nicht den gesamten Text gelesen, da ich mir nicht zutraue, die Rechnerei sinnvoll nachvollziehen zu können.





Wer steht auf welcher Seite?

Die Antwort ist nicht durchgängig eindeutig, sondern zwischen den politischen Parteien und Akteur*innen gibt es auch Zickzacklinien für und gegen Trennung, und für Enthaltung, die ein wichtiger Aspekt bei der Sache ist.

Denn wer für die Enthaltung wirbt, wirbt nach der letzten Erfahrung eigentlich für die Einheit: ist das Referendum wegen mangelnder Wahlbeteiligung ungültig, bleibt alles beim Alten.
Prominenter Enhalter ist, aus nachvollziehbarem Grund, Bürgermeister von Lega Gnaden Luigi Brugnaro. Denn nach einer Scheidung hätte er weder in Venedig noch in Mestre einen Job. 
Zur Enthältung rät ebenfalls, mit erstaunlichen Argumenten, der Ex-Bürgermeister Massimo Cacciari, der Philosoph: "Eine lächerliche Sache, unzeitgemäß, schädlich. Man will die Zahl der Parlamentsmitglieder in Rom verringern, da frage ich die Befürworter: warum wollen sie die Zahl von Referenten und Ratsmitgliedern derart hochziehen?" 
Enthaltung empfehlen auch die Gewerkschaften. 

Gegen die Trennung, fürs Zusammenbleiben ist der Vizebürgermeister von Mestre, Gianfranco Bettin, Soziologe und aktiv in den Themen Umwelt und Anti-Mafia, für die er den Zusammenhalt der Städte wichtig findet - ein nachvollziehbares Argument.
Die Lega wählte Anfang Oktober eine neue Direktion, die zur Teilnahme am Referendum für die Einheit einlädt, aber nicht auffordert. Sie hat ohnehin eine starke Basis auf dem Festland, und sie will Venedig nicht aus ihrem sicheren Machtbereich Veneto entlassen, der Wiege der Lega Nord, aus der die heutige Lega für ganz Italien wurde.
Ebenfalls gegen die Trennung sind die Berlusconi-Partei Forza Italia und der Partito Democratico PD.


Für die Scheidung ist der kleine Teil der Lega, der bei den letzten Kommunalwahlen gegen die Berufung des parteilosen Luigi Brugnaro als Bürgermeister auftrat. Kopf der Gruppe ist Gian Angelo Bellati. Man will einen starken Lega-Mann an der Spitze der Metropolregion Venedig und nicht den parteilosen Selbstdarsteller Brugnaro.
Für die Trennung und zwei autonome Städte wirbt auch die Bewegung 5 Sterne (M5S), nationale Regierungspartei, und ein Zusammenschluss weiterer Gruppen wie CGIL VeneziaPiu Mestre piu Venezia und Mestre Mia.
Die Non-Proft-Organisation We are here in Venice informiert auch in englischer Sprache ausführlich und kompetent - pro Scheidung - auf Ihrer Website. Interessante Artikel sind z. B.: 
Vor allem aber die Bürgerinitiative "Gruppo 25 Aprile", Sprecher Marco Sitran (siehe Video oben) und Marco Gasparinetti kämpft für die Trennung. Auf der Website "25 Aprile" steht (in italienischer Sprache) eine ausführliche Einschätzung "Was sich ändern würde und was sich NICHT ändern würde".
(Die einzelnen Absätze kann man sich ggfs. von
Google übersetzen lassen, den 1. Absatz habe ich schon eingefügt...)

Gruppo 25 Aprile und die zweite wichtige  Bürgerinitiative NoGrandiNavi warben und werben mit gut besuchten Informationsveranstaltungen (z. B. heute um 11 Uhr im Ateneo Veneto  💥) für die Trennung und rufen für heute, 14 Uhr zu einer Demonstration gegen Grandi Navi, MOSE und Brugnaro auf. Das Motto ist "MOSE ist das Problem, nicht die Lösung". Nach den bisherigen  Hochwassern im November die Antwort auf die inkompetenten Behauptungen Brugnaros, sie seien Folge des Klimawandel - Rettung brächte die schnelle Fertigstellung der Hochwassersperren. Das ist ein griffiges Schlagwort. Und näher betrachtet ist es ein wesentlicher Teil des überaus kompexen Problems der Zukunft Venedigs und der Lagune. Aber was wäre die Lösung? Man wird es im Nachhinein wissen oder nie. Die Gletscher schmelzen, das Wasser steigt. MOSE hin, UNESCO Welterbe her. Arbeitet jemand an der Logistik für die Evakuation der mobilen Kunstschätze?

Gegen neue Regeln im Verfahren haben die Bürgerinitiativen Beschwerde eingereicht, weil seitens der Stadtverwaltung praktisch keine Werbung für das Referendum gemacht wird (und damit die Enthaltungen einseitig gefördert werden). Darüberhinaus habe Bürgermeister Brugnare mehrmals gesetzeswidrig zur Stimmenthaltung aufgerufen. Gleichzeitig wird der Aushang von Werbung für die Beteiligung - Aushänge, Fahnen etc. an Privathäusern und -wohnungen) mit Multe (Knollen sozusagen) bestraft und die Aushänge wenn nötig eigenhändig von der Polizei entfernt. 
Beschwerde wird auch geführt gegen die Regelung der Mindestwahlbeteiligung (50 % der Wahlberechtigten +1), die zur Ungültigkeit des letzten Referendumgs 2002 führte.


💥
Ergänzung 25.11.
Die Informations- und Diskussionsvorlage der Veranstaltung am 24.11. von Gruppo 25 Aprile im Ateneo Veneto wurde heute veröffentlicht. 
Das Ateneo Veneto stellt die Filmdokumentation der Veranstaltung am 24.11. auf YouTube. Podium: Gianpaolo Scarante, Presidente Ateneo Veneto
Interventi di: Maria Laura Faccini, portavoce associazione Mestre Mia Laura Fincato, già parlamentare e assessore Comune di Venezia Marco Gasparinetti, portavoce Gruppo 25 Aprile Nicola Pellicani, deputato Partito Democratico Mara Rumiz, già assessore Comune di Venezia Giorgio Suppiej, Presidente Venezia Serenissima (Beide Informationen beantworten einen Teil meiner Fragen, siehe unten, soweit ich sie verstehe - weniger sprachlich als mangels detaillierter Hintergrundkenntnisse als Nicht-Venezianierin.)




Dazu gab es in letzter Zeit einige lesenswerte Artikel:

Blätter für deutsche und internationale Politik Der Tod von Venedig. Tourismus bis zu Kollaps
FAZ Venedig ist nicht Opfer einer Naturkatasstrophe, sondern der Gier
Süddeutsche Zeitung Subito, Venezia!
Süddeutsche Zeitung Luigi Brugnaro
Zeit So schön ist der Hochmut
The Local Venice is dying: Residents to vote on wether to split city in half
Project Syndicate Saving Venice means restauring the citizenry as well as the art and buildings
Daily Beast Venice is Flooding Because of Corruption
APnews Flood-hit Venice's dwindling population faces mounting woes
The Spectator Venice needs Venexit
Guardian Venice goes to the polls in referendum on autonomy
Irish Times Venice voting on split from the sister city
Times Exploited Venice seeks salvation in vote to 'leave' mainland
Times Mayor Luigi Brugnaro accused of dirty tricks as Venice prepares for autonomy vote
ytali. Venezia-Mestre. Le ragioni del ni
ytali. Venezia. Referendum, le ragioni del mio sì
ytali. Venezia. Separare il Comune, scelta miope e anacronistica
ytali. Referendum. Una risposta di pancia ai problemi di Venezia
ytali. La separanzione ha senso solo se aprie la via a uno statuto speciale
La Nuova Applausi e fischi: il referendum "spacca" la platea al Teatro Goldoni
Universität Ca' Foscari Video zur Geschichte Venedig-Marghera

und 2 Tage vor der Abstimmung,  29.22., berichten schnell noch nur die TAZ: Eine Stadt - kein Disneyland und die SZ: Seenotrettung als deutschsprachige Zeitungen (soweit ich es überblicke) über das Thema. 


Die Probleme 
  • Korruption beim MOSE-Projekt, 
  • Abwanderung der Bevölkerung aufs Festland, 
  • mangelnde Bürgerorientierung und -beteiligungder Stadtverwaltung, 
  • halbherzige und groteske Versuche der Besucherregulierung (Drehkreuze! Eintrittgebühren!), 
  • Absicht, Mestre den ahnungslosen Besuchermassen als "Venedig" zu verkaufen und Venedig als lebendes Museum dem touristischen Luxussegment zuzuschlagen, 
  • unverminderte Menge und Größe der Kreuzfahrtschiffe wider alle Absichtserklärungen und Wissen um die Bedrohung von Stadt und Lagune
  • viele andere mehr
  • und zu allem auch noch ein untauglicher Bürgermeister ohne Augenmaß, Qualifikation und Sensibilität
scheinen es mir den Versuch wert sein zu lassen, die Zuordnung und Lenkung in der Kommune Venedig grundsätzlich anders zu organisieren. 
Was mich allerdings irritiert, sind viele Informationen zu den praktischen Konsequenzen, die mir fehlen. Die Gehälter von zwei Bürgermeistern anstelle eines einzelnen reicht als Kostenrechnung nicht aus. Wie genau trennt man zwei völlig verschiedene Städte? Wie funktioniert dann das regionale Konstrukt "Metropolregion"? Müsste man darüber nicht im VORAUS sprechen? Wie wirkt sich die Scheidung auf das Leben der Bewohner*innen in den nächsten 10 Jahren aus (um nur mal kurzfristig zu denken)? Was passiert mit großen Einheiten wie z. B. Flughafen und Hafen, wem "gehören" die, bzw. deren Steuern? Was passiert mit MOSE und dem Schutz der Lagune? Wie kann man den notwendigen Umbau mithilfe echter Bürger*innenbeteiligung aushandeln? Wie die Verantwortlichkeiten?

Nicht nur mich erinnert das an ein anderes Referendum, dessen Drama wir seit Jahren mit Grausen erleben. Schlecht informierte Bevölkerung erstmal abstimmen lassen und hinterher mit Mühe aushandeln, wie mit dem Ergebnis umzugehen ist, ohne vorher die Beteiligung der Bürger*innen am großen Wechsel zu sichern und bei gleichzeitiger Notwendigkeit, verantwortungslose Glücksritter am Aufsatteln zu hindern. 

Ich hoffe nächsten Sonntag auf ein eindeutiges Sì zur Scheidung und viele kluge Venezianerinnen und Venezianer, die danach die richtigen Entscheidungen zur rechten Zeit treffen. In bocca al lupo!


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20. November 2019

Spendenkonten für Venedig

In Venedig wurden sofort nach der ersten Hochwassernacht Nachbarschaftshilfen aktiv und vor allem Hilfsgruppen junger Leute. Schüler*innen, Student*innen, deren Bildungseinrichtungen tagelang geschlossen waren. Jetzt lernen und studieren sie wieder, aber trotzdem werden noch Hilfsaktionen für Bürger*innen mit Wasserschäden gefahren. Eine solidarische Stadt.

Wenn wir in Venedig helfen möchten, wie, wenn nicht mit Geld. Ein schönes Beispiel ist die Edicola von Walter Mutti, die mithilfe eines Spendenaufrufs im Internet innerhalb 24 Stunden mit dem Spendenziel von 25.000 € wieder finanziert war. Kleiner Tweet dazu.

Ich liste hier eine Reihe weiterer Spendenkampagnen auf: Wem das Mitgefühl mit den Menschen oder die Liebe zur schönsten Stadt und auch die Brieftasche locker sitzt, findet hier schnell eine Möglichkeit sich zu beteiligen.





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Spenden für das alte Herz der schönsten Stadt, die Basilica San Marco! Die Schäden sind dramatisch, der mit Mosaiken belegte Boden hat sich weiter gehoben, man konnte sehen, wie sich unter Wasser die Mosaiksteinchen lösten. Mehr dazu bei Gente Veneta, dem Medium der Diözese Venedig. Siehe auch Video von RAI news. Spiegel-Interview mit Francesco Moraglia, Patriarch von Venedig.

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Claudia Corò, Künstlerin auf der Giudecca, deren Studio/Geschäft zerstört wurde, bittet um 5.000 € für die Renovierung, damit sie wieder arbeiten kann.


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Die Scuola Grande di San Giovanni Evangelista (die immer Spenden zu karitativen Zwecken annimmt), hat im Erdgeschoss der Scuola und in der Kirche San Giovanni Evangelista große Wasserschäden zu renovieren und bittet ausdrücklich um Spenden dafür.
La Scuola ha subito, sta subendo danni gravissimi; colpita reiteratamente dall’onda di marea che ha raggiunto livelli di pochissimi centimetri inferiori a quelli del 1966. Tutte le nostre strutture del piano terra sono coinvolte: soprattutto la Chiesa di San Giovanni Evangelista, lo spazio Badoer, le due “casette” di pertinenza della Scuola ed il giardino; la sala delle Colonne, la Cappella della Memoria e le stanze adiacenti sottostanti lo scalone codussiano; gli uffici e la sala verde del bookshop. Solo la sala Stendardo è finora rimasta indenne. 
L’impegno straordinario, senza soluzione di continuità, che tutto il personale (e qualche confratello) ha saputo garantire - prima sulla base delle previsioni, quindi durante e dopo il verificarsi degli eventi - ha fatto sì che la gravità degli effetti negativi, ingenti, sia rimasta circoscritta “solo” a quanto la forza dell’acqua della laguna, la sua pervasività nelle strutture e negli impianti ha inevitabilmente prodotto. In una situazione tanto stressante per le strutture fisiche, gli apparati tecnici e di servizio, soprattutto per le persone, alcune note positive, non di poco conto, ci fanno bene sperare: i fondamentali apparati di servizio garanti dell’agibilità e della sicurezza rimangono finora efficienti; (fatta esclusione purtroppo per la Chiesa) passata ogni onda di marea la Scuola è stata resa prontamente fruibile e pienamente operativa (tanto che già nel giorno del picco più alto ha ospitato com’era previsto (sempre al meglio) un evento di rilievo nazionale ed inoltre l’Università Ca’ Foscari ci ha chiesto di poter ospitare un evento diventato per l’Ateneo improponibile); non ha subito conseguenze quanto sinora realizzato ed in corso d’opera per la salvaguardia ed il restauro dello Scalone del Codussi, con la sponsorizzazione straordinaria di Venetian Heritage.
Molti di voi, generosamente, chiedono come poter concretamente contribuire per essere partecipi, nella misura del possibile, al ripristino ed al risanamento delle strutture danneggiate. Per questo, come già previsto nel sito della Scuola (www.scuolasangiovanni.it/beneficenza), basta effettuare un versamento sul:

CC della Banca Intesa Sanpaolo, intestato alla Scuola Grande San Giovanni Evangelista di Venezia
IBAN: IT56 H030 6909 6061 0000 0013 320
SWIFT (BIC): BCITITMM 
CAUSALE: Contributo riparazione danni acqua alta. 


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Bäckereien haben großen Schaden an Maschinen und Backöfen genommen. Die Bäckerei Dal Nono Colussi bittet in einer Spendenkampagne um 15.000 €, um wieder arbeitsfähig zu sein.

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Das Ministerium für Kultur und Tourismus hat eine Spendenoption von 2 € per SMS eingerichtet. Unkomplizierter aber auch sparsamer gehts wohl kaum. Ich habe es versucht, hat leider nicht geklappt - ich habe den falschen Telefonprovider. Folgende sind kompatibel: TIM, Vodafone, Wind Tre, Fastweb, Tiscali, TWT (jeweils mobil und Festnetz); Iliad, PosteMobile, Coopvoce (jeweils nur mobil); Clouditalia, Convergenze (jeweils nur Festnetz).

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Die Vereinigung italienischer Autoren und Verleger spendet für die venezianischen Buchhandlungen 150.000 € und hat ein Spendenkonto eingerichtet mit der Bitte um Unterstützung. (Die venezianischen Buchhandlungen verschenken in diesen Tagen ihre Bücher, um die beschädigten wegzuschaffen und die Geschäfte trocknen und renovieren zu können.)


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Die Fondazione Querini Stampalia wird bei ihren Rettungsarbeit unterstützt von einer Schüler*innengruppe, bittet aber weiterhin um Spenden wegen der großen Schäden im Erdgeschoß, dessen Scarpa-Architektur ja bekanntlich den Zutritt des Kanals ins Haus ermöglicht.

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In der Grafikwerkstatt/Druckerei Ellemme wurden 5 alte Druckmaschinen und Mengen weiteren Arbeitsmaterials zerstört. Die Inhaber Michele und Luca bitten per Spendenkampagne um 40.000 €, um die Druckerei wieder arbeitsfähig zu machen.

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Die beiden Lazzaretti, Quarantäneinseln der Lagune, vecchio in der Nähe des Lido, nuovo gegenüber von S. Erasmo, sind wichtige Zeugen der Geschichte Venedigs und archäologische Grabungsstätten. Durch die ehrenamtliche Bürgerarbeit werden sie erhalten und sind als museales Angebot regelmäßig für Führungen geöffnet. Beide sind vom Wasser stark geschädigt und bitten um finanzielle Unterstützung auf ihrer Internetseite

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Zusammen mit den Gruppen "Venessia.com" und "Love" bietet Duri/Bianchi Solidaritäts-T-shirts an. (Weihnachten!) Minimalspende 15 €. Mit dem Gewinn werden durch das Hochwasser bedürftig gewordene Familien unterstützt.

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Der große Squero der Gondelbauer-Traditionsfamilie Tramontin wurde nach dem Tod des letzten männlichen Tramontin im letzten Jahr von den Töchtern der Familie, Elena und Elisabetta, übernommen. Die Gondelbauwerkstatt hat Gebäudewasserschäden aber vor allem wurden große Mengen Arbeitsmaterial, sprich wertvolle, jahrelang gelagerte Hölzer für den Gondelbau, von der Flut mitgenommen. Die beiden Frauen bitten in ihrer Spendenkampagne um 10.000 €.

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Die Universität Ca' Foscari wirbt um Spenden für 2 verschiedene Kampagnen: um als Teil der Stadt sich an der Unterstützung bedürftiger Bürger*innen beteiligen zu können. Und zur Unterstützung der Internationalen Universität auf San Servolo, (Webseite der Universität) die große Schäden erlitten hat.


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Die kleine Pizzeria l'Angelo hat beim Hochwasser den Kühlschrank und weitere elektrische Geräte verloren, die für die Arbeit unerlässlich sind. Gebeten wird in dieser Spendenkampagne um 8.000 €. Kleines Geld, um diese Existenz zu sichern.

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Marketingaktion der Lebensmittelmarktkette CONAD: vom 16.-30.11. werden für jeden ausgegebenen Kassenbon 10 Eurocent an Hilfsprojekte für Hochwasserschäden weitergegeben. Liste der Geschäfte unter dem Link.


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Die Balustrade am Ufer der Giardini der Biennale wurde von der Wellengewalt der Hochwassernacht des 12.11. völlig zerstört. Die Vereinigung der Architekten, Planer, Landschaftsplaner und Konservatoren der Provinz Pordenone  hat eine Kampagne für ihren Wiederaufbau eröffnet. Siehe dazu auch. Hier kann man sich mit einer Spende anschließen.

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Ri-prese ist ein Archiv meist privater venezianischer Kurzfilme von 1920-90. Das Projekt ist die Arbeit von 2 Personen und existiert seit 7 Jahren. Das gesamte Archiv mit Filmen und Geräten, in Parterreräumen untergebracht, stand unter Wassser. Zur Rettung (Digitalisierung) des Filmarchivs des venezianischen Privatlebens bitten Giuseppe Ferrari und Nicoletta Traversa um 10.000 €. Ausführlicher Bericht zum Projekt.

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Der T Fondaco, das Luxuskaufhaus im ehemaligen Fondaco dei Tedeschi, unterstützt Familien auf der Insel Pellestrina, die weitgehend neue elektrische Großgeräte wie Kühlschränke, Herde etc. brauchen, da alle Küchen der Insel im Parterrebereich liegen. Spendenaufruf hier. (Die Müllabfuhr des Gruppo Veritas sammelte auf Pelestrina 840 Kühlschränke, 900 Waschmaschinen etc. ein.)

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In der Werkstatt der Associzione El Felze konnten trotz aller Bemühungen Maschinen und kostbares Arbeitmaterial (wie im Squero Tramontin, siehe oben) nicht gerettet werden. Hilfe für die Gondelbauer ist dringend nötig. 

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7.12. jeweils 14:30 Uhr: 9 Führungen durch professionelle Führer*innen  zur finanziellen Unterstützung der dringenden Restaurierungsarbeiten an der Scuola Grande San Giovanni Evangelista nach dem Hochwasser vom 12.11.19. 
Nachfolgend die vorgeschlagenen Touren: 
  1. Das Sestiere von Dorsoduro zwischen Kunsthandwerk und Kuriositäten mit Annabianca Traversa - ​Start an der Piazzale Roma (Ponte di Calatrava
  2. Das jüdische Ghetto und das Viertel Cannaregio mit Giovanna Di Cataldo - Start am Bahnhof Santa Lucia (Eingang) 
  3. Venedig in der Literatur mit Domenico Moramarco - ​Start am Bahnhof Santa Lucia (Eingang) 
  4. Scuola Grande della Misericordia mit Ilaria Rizzardi - ​Start an der Scuola Grande della Misericordia (Eingang) 
  5. Dorsoduro und die Basilica della Salute mit Antonella Bracco  - Start an der Basilica della Salute (Eingang) 
  6. Abseits der ausgetretenen Pfade, San Trovaso und die Akademie, mit Diane Figarella - ​Start an der Basilica dei Frari (Eingang) 
  7. Venedig an seinen Ursprüngen und der Rialto-Markt mit Donatella Gibbin ​- ​Start am Campo San Bortolo (Statue von Carlo Goldoni) 
  8. Die Sestiere von San Marco mit Elisabetta Ferrari​ - ​ ​Start an der Kirche von San Zaccaria (Eingang) 
  9. Musik in Venedig und die Orte von Antonio Vivaldi mit Mauro Masiero - Start an der Piazza San Marco (Säule mit dem geflügelten Löwen von San Marco) 
RESERVIERUNG: E-Mail an moradomenico@yahoo.it mit der Nummer der ausgewählten Tour und der Anzahl der Teilnehmer 
BEITRAG: Kostenloses Angebot ab 10 € (Studenten 5 €) 
Zahlungsmethode: 
1. Überweisung Unter der Leitung von: Scuola Grande San Giovanni Evangelista von Venedig IBAN: IT 56 H030 6909 6061 0000 0013 320 SWIFT (BIC): BCITITMM Banca Intesa San Paolo Betreff: 7-12 Acqua Alta. Bestätigung der Teilnahme nach erfolgter Überweisung. 
2. Barzahlung an den Reiseleiter zu Beginn der Tour.



Liste wird nach Möglichkeit erweitert.
Bitte seid/seien Sie großzügig.







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18. November 2019

Mails aus Venedig 13.-17.11.2019


Foto: Danilo Reato

Der venezianische Autor Danilo Reato ("Die Masken der Serenissima", "Künstler im Cafè"), der auf dem Lido von Venedig lebt, schrieb in den letzten Tagen an seinen Bonner Verleger Arnold E. Maurer (Bonner Verlags-Comptoir) einige Mails über die Zustände in Venedig.



Anlegestelle S. M. Elisabetta, Lido
Foto: Danilo Reato


12. November 2019

In dieser Nacht hätte das Schlimmst passieren können. Seit der Zeit der Aufzeichnung (1923) hat uns zum zweiten Mal eine außergewöhnliche Flut mit 187 cm über Meeresniveau erreicht. Nach der von 1966 mit einer Höhe von 194 cm war es die zweite, die mit einer Bora mit Windgeschwindigkeiten von 100 km einherging. Im Moment fließt das Wasser wieder ab. Wie Du siehst, gehört auch das zu Venedig, das früher oder später ganz in den Fluten untergehen wird. Also: wenn Du Venedig noch sehen willst, dann mach Dich bald auf den Weg, es ist nicht klar, ob es ein Morgen geben wird.


Campiello del Piovan bei San Tomà
Foto: Danilo Reato


13. November 2019

The day after.

Das ist wirklich eine Katastrophe: auf dem Lido sind am Gran Viale (der Hauptflanierstraße) zwei Geschäfte komplett zerstört worden, die Konditorei C. und ein Geschäft für Reinigungsmittel, in dem ein Feuer ausbrach. Der Supermarkt C. ist geschlossen, er ist voll Wasser gelaufen. Und auch die nächste Flut mit einer Höhe von 160 cm hat alle an der Haupteinkaufsstraße auf eine harte Probe gestellt.

In Venedig stehen Gondeln im Trockenen vor den Hotels, auf der Piazza San Marco stand das Wasser in den historischen Cafès mehr als 1 m hoch. Das gilt auch für die Basilika von San Marco, die gerade restauriert wurde. Im Arsenal ist ein Boot fast bis zum Ende einer Gasse getrieben worden, andere sind gesunken. Bei einem Schiff ist das Ankerseil gerissen, es musste von der Hafenbehörde geborgen werden. Das ist wirklich das Ende dieser Stadt.


Helfer*innen entsorgen Hochwasserschäden
Calle dei Nomboli
Foto: Danilo Reato


15. November 2019

Venedig ist am Boden: ein Hochwasser folgt auf das vorherige. Auch heute waren es fast 160 cm. Es ist sogar schwierig geworden Brot einzukaufen, weil fast alle Backstuben unter Wasser stehen, Supermärkte sind überflutet. Auch hier auf dem Lido gibt es an der Haupteinkaufsstraße nur ein Lebensmittelgeschäft, das zum Glück ein paar Stufen höher liegt als die anderen und sich so gerettet hat.

Der Gran Viale (die Haupteinkauftsstraße auf dem Lido von Venedig) war heute ein einziger Fluss, vom Anleger bis zum Meer. Auch die Vaporetto-Anlegestelle wurde verlegt. Am Dienstag fuhren die Schiffe nur von San Niccolò aus, und das nach einem improvisierten Fahrplan. 
G. (ein gemeinsamer Freund) pendelt, zwischen seinen drei Geschäften in denen gewaltige Schäden angerichtet wurden, und leider sinkt der Wasserspiegel nicht. Es gibt mehr oder weniger zwei Hochwasser pro Tag. Er hat mich heute angerufen. Sein Handy war ins Wasser gefallen und er hat so sein Adressverzeichnis verloren. Er wollte mir mitteilen, dass ein gemeinsamer Freund gestorben ist (...). Morgen werden D. und ich versuchen, die Kirche San Silvestro zu erreichen, wo die Beerdigungsfeierlichkeiten stattfinden, aber das wird ein Angang werden.

Der Markusplatz wurde für Besucher gesperrt, nur Feuerwehrleute und Polizei dürfen durch. Die historischen Cafés sind betroffen, sogar das Florian hat Schwierigkeiten, obwohl es unter den Procuratie Nuove einige Stufen höher liegt, weil das Wasser den Holzfußboden, Stühle und Tische ruiniert hat. Ein wahres Unglück. Die Querini-Bibliothek bat um Hilfe, weil ein Teil der Bestände feucht wurde. Und so helfen denn viele Jugendliche, weil schon seit Tagen die Schulen geschlossen sind. Das Szenario ist wirklich apokalyptisch, und schon zittern alle vor einer neuen Flut, die die Stadt am Sonntagmorgen treffen könnte. Von der Biberrepublik, von der Goethe schrieb, scheint sich die Stadt zu einer Stadt der Aquanauten zu entwickeln.


Lido, Santa Maria Elisabetta
Foto Danilo Reato


17. November 2019

Venedig ist in die Kniee gegangen. Zahllose Einrichtungen sind geschlossen. In der Stadt hängt eine schier endlose Zahl von Zetteln an den Geschäften, die auf die Situation reagieren und verdeutlichen, dass unklar ist, wann man wieder öffnen kann. (...)

Das Café Florian hat heute über die Presse verlauten lassen, dass man nicht vor Mittwoch den Betrieb aufnehmen könne. Das ist nicht einmal1966 passiert. Das Cafè Lavena ist seit Tagen in einer Art Belagerungszustand. Der Geschäftsführer kann ebenfalls nicht sagen, wann die Geschäfte wieder laufen können. So betrachtet erlebt Wagner, der dort komponierte, noch einen Walkürenritt.

In den Buchhandlungen haben etwa 15.000 Bände einen Wasserschaden abbekommen, sie werden einfach weggegeben, so sind sie wenigstens in Sicherheit. In der Buchhandlung "Acqua Alta" ('Hochwasser') floss das Wasser sogar in die dort aufgestellten Wannen; und die Gondel, die in der Mitte der Buchhandlung steht, hob sich an. Deshalb titelte der "Corriere del Veneto" heute: "Tränen in einer Buchhandlung für 15.000 papierne Opfer".

Auf den Inseln Pellestrina und Burano hält die Flut nun schon seit 20 Stunden an. Die Situation ist deshalb so dramatisch, weil auf diesen beiden Inseln die Häuser in einer Art Standardbauweise gebaut wurden. Das bedeutet, dass Küche und Esszimmer ebenerdig liegen, die Schlafzimmer oben. So konnte das Hochwasser Küche, Herde, Kühlschränke und Waschmaschinen, zudem die ganze Elektrik ruinieren. Auf Pellestrina hätten enorm leistungsfähige Pumpen arbeiten sollen, aber die Verteilkästen für die Stromzufuhr waren ebenerdig aufgestellt. Und dann kam das Hochwasser und setzte die zentrale Stromzufuhr für die Pumpen außer Funktion. Ein echtes Desaster.

Fischerboote, die sich losgerissen haben, treiben in der Lagune umher oder gehen am nächstbesten Strand auf Grund. In Venedig rutschte an den Zattere ein Zeitungskiosk in den Kanal und man weiss nicht einmal, wo man ihn bergen soll. Am Ponte delle Guglie hat ein Kioskbesitzer über Stunden versucht, seinen Kiosk durch sein Körpergewicht so zu beschweren, dass er nicht langsam in den Kanal gleiten konnte, bis die Feuerwehr kam und die Situation rettete. Das wäre sonst ein wirkliches Desaster geworden, da der Kanal an dieser Stelle sehr flach ist und der Kiosk (...) den Schiffsverkehr behindert hätte.

Die Piazza San Marco ist auch heute gesperrt. Die Polizei sorgt dafür, dass nur denjenigen Personen Durchlass gewährt wird, die dort ein Geschäft besitzen. In all diesem Durcheinander gab es dann auch noch ein paar mediale Trittbrettfahrer. Eine Filmgesellschaft drehte einige Szenen eines bestimmten Films. "Die Show muss weitergehen", meinten die Schauspieler, und sie ernteten damit einen Proteststurm in den Social Media. Die Produktionsfirma entschuldigte sich und stellte das Filmen ein. Verrückte Sache.

Übersetzung: Arnold E. Maurer 


Libreria Giunti bei S. Aponal
Foto: Danilo Reato







































(Siehe auch Einträge 
"Edition BN-VE" 30.4.2018
"Die Masken der Serenissima" 30.1.2019.)


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